Pressemitteilung
der

KMG
 

Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (37/September 2017)

Während ich, Anfang August, diesen Bericht schreibe, ist der nächste Band der Historisch-kritischen Ausgabe, Auf der See gefangen (KMW I.9) bereits im Druck und wird voraussichtlich sogar noch vor Erscheinen dieser ›KMG-Nachrichten‹ ausgeliefert werden können. Damit sind in diesem Jahr bereits zwei Bände herausgekommen, und ich hoffe sogar, dass bis zum Jahresende mit Im Lande des Mahdi II (KMW IV.10) noch ein weiterer Band erscheinen kann.
     Auch für das kommende Jahr bin ich sehr zuversichtlich, dass die anvisierten Bände erscheinen können. Als erster wird vermutlich der dann dritte Spätwerk-Band im Rahmen der HKA herauskommen: Und Friede auf Erden! (KMW V.2). Als Roland Schmid diesen Roman seinerzeit für die Reprintreihe ›Freiburger Erstausgaben‹ vorbereitete, lagen ihm noch Mays Manuskript sowie die Korrekturfahnen dafür vor. Beide sind heute leider verschollen und standen uns zu meinem großen Bedauern für die HKA-Ausgabe nicht mehr zur Verfügung. Neben den vier Druckauflagen des Werkes im Rahmen der gesammelten Reiseerzählungen und der Erstfassung Et in terra pax konnten wir aber zumindest auf die fragmentarisch erhaltenen Korrekturfahnen zu letzterer zurückgreifen: Sie haben sich für den zweiten Teil des ersten Kapitels erhalten und geben interessante Einblicke etwa in Mays Rechtschreibpraxis, aber auch in die Sorgfalt, mit der er – zumindest in der Zeit seines Spätwerks – korrekturlas.
     Der Editorische Bericht gibt einen gerafften Überblick über die Entstehung des Werkes. Diese ist bereits mehrfach anderweitig dargestellt worden, bleibt aber ebenso interessant wie rätselhaft. Es hat sich bekanntlich der Briefwechsel zwischen dem Herausgeber Joseph Kürschner, dem Verleger Hermann Zieger und dem Ausstatter Hugo Fritzsche erhalten, nicht jedoch die Briefe Mays an die drei Genannten. So sind zwar viele Details bekannt, doch gibt es u. a. keine endgültige Antwort auf zwei wesentliche Fragen: Hat Karl May den Roman, der bekanntlich seine Orientreise verarbeitet, erst zu schreiben begonnen, nachdem Kürschner ihn um Mitarbeit für das Sammelwerk ›China‹ gebeten hatte, oder lag bereits ein Teil der Erzählung vor? Und: Inwieweit trifft die zu Beginn des fünften Kapitels von Und Frieden auf Erden! von May aufgestellt Behauptung zu, er habe dem Roman in der Erstfassung abgebrochen? Was heute noch zur Beantwortung dieser beiden Fragen gesagt werden kann, zeigt der Editorische Bericht auf.
     Im Zuge der Aufnahme von Karl Mays Bibliothek für die Digitalisierung bereitet Hans Grunert auch ein kommentiertes Bibliotheksverzeichnis für die HKA vor, das den Band IX.2 Karl Mays Bibliothek, bilden wird und voraussichtlich auch bereits im kommenden Jahr fertiggestellt werden kann. Es wird sich eigentlich nicht nur um ein Verzeichnis, sondern um mehrere Verzeichnisse handeln, die der Tatsache Rechnung tragen, dass zum einen die Bände mehrfach umsigniert wurden und zum anderen von Klara May auch nach Mays Tod noch Bände in die Bibliothek integriert wurden. Leider lässt sich nicht mehr feststellen, welche Bände sie möglicherweise daraus entfernte.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (36/Juni 2017)

Nachdem die letzten beiden Bände der HKA, Durch die Wüste und Orangen und Datteln, in relativ rascher Folge erschienen sind und die Abteilung IV (Reiseerzählungen) damit weiter vervollständigt werden konnte, ist bereits jetzt absehbar, dass auch der nächste Band in kurzer Frist folgen kann: Auf der See gefangen, mit dem die Abteilung I (Frühwerk) fortgesetzt wird. Diesen Band hatten wir als Band I.9 zusätzlich in diese Abteilung hineingenommen, weil der Band I.8 zu umfangreich wurde.
     Drei Erzählungen sind in Auf der See gefangen aufgenommen worden: als recht umfangreiche Texte der titelgebende Roman sowie die Erzählung Ein Dichter und die kürzere Geschichte Die Both Shatters. Im Fall von Auf der See gefangen ist auch die Vergleichslesung mit dem Nachdruck Schloß Wildauen im Editorischen Bericht enthalten, der selbst eine immer noch sehr obskure Editionsgeschichte hat, die für diesen Band zwar weiter aufgehellt, aber noch nicht in allen Aspekten eindeutig geklärt werden konnte.
     Während weitere Bände der HKA in unterschiedlichen Stadien der Vorbereitung sind, haben wir bezüglich der Vervollständigung der Konzeption der HKA einige notwendige Überlegungen angestellt. Die Abteilung VII (Vermischte und nachgelassene Schriften) war bisher weder von den Erstherausgebern noch von uns konkret durchgeplant worden, sondern firmierte nur unter einer summarischen Angabe darin aufzunehmender Textarten. Wir haben nunmehr die dafür vorzusehenden Texte und Materialien, soweit sie bereits vorliegen, gesichtet und eine – weiterhin provisorische – Aufteilung auf vier Bände vorgenommen. Da auch Nachlasstexte aufzunehmen sind, kann eine nochmalige genau Durchsicht von Mays Nachlass sicherlich noch weitere zu berücksichtigende Texte zutage fördern. Als Arbeitsgrundlage haben wir jetzt zunächst einmal die folgende Bandaufteilung festgelegt:

VII.1 Repertorium C. May. Fragmente, Skizzen, redaktionelle Arbeiten und Kurztexte
VII.2 Weihnachtsabend und andere Gedichte
VII.3 Ave Maria. Kompositionen und Gedichte
VII.4 Empor ins Reich der Edelmenschen! Vorträge, letzte Äußerungen und Manuskripte aus dem Nachlass

Wann der erste dieser neu konzipierten Bände erscheinen kann, steht allerdings noch nicht fest. Hingegen zeichnet sich ab, dass ein Band der Abteilung VIII (Materialien) möglicherweise sogar bereits im kommenden Jahr fertig werden könnte:

VIII.2 Karl Mays Bibliothek

Hans Grunert arbeitet parallel zur Digitalisierung des Bestandes der Radebeuler Bibliothek an diesem Band und macht durchaus vielversprechende Fortschritte dabei. Gegenüber dem als Supplement zur HKA bereits veröffentlichten Faksimile von Mays handschriftlichem „Katalog der Bibliothek“ wird dieser Band erheblich mehr liefern, u. a. den gesamten, bibliografisch exakt erfassten Bibliotheksbestand, den Nachweis von Eintragungen und Anstreichungen Mays in einzelnen Bänden sowie, wo möglich, der Nutzung als Quellenmaterial durch May. Umfangreiche alphabetische Register werden den verzeichneten Buchbestand zusätzlich aufschlüsseln.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (35/März 2017)

Mit Durch die Wüste (KMW IV.1) ist im Dezember 2016 die zweite Auflage des Orientzyklus gestartet. Die Karl-May-Stiftung hat es den Subskribenten freigestellt, die Zweitauflagen der bereits erschienen fünf Bände dieser Serie zu beziehen, doch erfreulich viele von ihnen haben sich dafür entschieden. Der nunmehr der zweiten Auflage beigefügte, hervorragend gelungene editorische Bericht von Florian Schleburg hat hoffentlich viele überzeugt, dass diese Entscheidung richtig war, und wer erst später als Subskribent zur HKA gestoßen ist, wird erfreut darüber gewesen sein, dass dieser bisher vergriffene Band nunmehr endlich wieder erhältlich ist.
     Mit Orangen und Datteln (KMW IV.24) folgt Ende März 2017 recht rasch der nächste Band unserer Reihe. May selbst hatte diese Anthologie kürzerer Orienterzählungen für seine Gesammelten Reiseromane zusammengestellt. Aufgrund der vielen Einzelerzählungen ist auch in diesem Band der editorische Bericht von Josef Jaser wieder recht umfangreich geworden. Insbesondere die erste Erzählung Die Gum kennt eine Reihe von weiteren Fassungen und Auflagen, die zu dokumentieren waren. Besonders zahlreich jedoch sind die Veröffentlichungen von Der Krumir zu Lebzeiten Karl Mays. Bisher bereits war eine größere Zahl von Nachdrucken bekannt; May hatte die Erzählung an ein Vermittlungsorgan für literarische Texte verkauft, das von vielen kleineren Zeitungen und Zeitschriften abonniert war, die daraus dann ihnen genehme Texte für die Veröffentlichung in ihrem Feuilleton „unter dem Strich“ übernahmen. Erst kurz vor Fertigstellung des Bandes waren vier bis dato unbekannte Nachdrucke von Der Krumir, die auf diese Weise zustande gekommen waren, vom Wiener May-Forscher Robert Ciza entdeckt worden und konnten noch im editorischen Bericht berücksichtigt werden.
     Für das Auffinden solcher relativ entlegener May-Veröffentlichungen ist übrigens das Internet mittlerweile fast unverzichtbar geworden: Immer mehr alte Zeitungen und Zeitschriften werden dort faksimiliert veröffentlicht und können so von jedermann eingesehen werden. Auch für die Vergleichslesung mit diversen May-Texten aus Orangen und Datteln konnten wir darauf zurückgreifen. Nicht immer erübrigt das allerdings die Kontaktaufnahme mit der Bibliothek oder dem Archiv, in dem das Original steht, weil manches Mal für die HKA zusätzliche Informationen einzuholen sind. Und auch diese Erfahrung konnten wir nicht nur für diesen Band machen, dass nämlich diese Institutionen gern und schnell behilflich sind, wenn wir für die HKA bei ihnen anfragen.
     Werfen wir den Blick nach vorn. Die Vorbereitung der Bände Im Lande des Mahdi II und Auf der See gefangen hat mittlerweile gute Fortschritte gemacht, und ich hoffe sehr, dass wir mindestens einen davon noch im Laufe des Jahres 2017 herausbringen können. Auch weitere Bände sind in Arbeit und unterschiedlich weit gediehen. Wir können aber mit Zuversicht davon ausgehen, dass auch in der zu überblickenden Zeit nach 2017 jährlich weitere Bände herauskommen werden, zumal in letzter Zeit mehrere neue Mitarbeiter als Bandbearbeiter oder -herausgeber dazugestoßen sind.

Joachim Biermann  


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (34/Dezember 2016)

Der neueste Band der HKA, Durch die Wüste (KMW IV.1), wird in der ersten Dezemberhälfte dieses Jahres ausgeliefert. Damit beginnen wir die zweite Auflage der Bände 1–5 des Orientzyklus, und das ist vielleicht ein Anlass, noch einmal zu erläutern, warum wir uns zu dieser Neuauflage entschlossen haben.
     Als die Karl-May-Gesellschaft die Herausgabe der HKA übernahm, waren die genannten Bände des Orientzyklus, vor rund fünfundzwanzig Jahren herausgebracht, bereits seit langem vergriffen. Der sechste Band Der Schut hingegen, der nach der Planung der Erstherausgeber auch den editorischen Bericht zum gesamten Zyklus enthalten sollte, war bis dahin noch nicht erschienen.
     Damit standen wir vor einer schwierigen Situation. Zum einen stellte sich schnell heraus, dass dieser editorische Bericht kaum weniger umfangreich als der Text des Schut selbst werden würde; das hätte den Umfang eines HKA-Bandes gesprengt, und somit wäre es unausweichlich gewesen, für den editorischen Bericht zum Orientzyklus einen kompletten eigenen HKA-Band vorzusehen. Davon hätten aber nur diejenigen Käufer der Reihe etwas gehabt, die ein Vierteljahrhundert zuvor bereits die ersten fünf Bände gekauft hatten. Wer als Subskribent später hinzu gekommen war, hätte damit nur begrenzt etwas anfangen können. Ein Nachdruck der einst bei Greno erschienenen Bände war zudem auch nicht möglich, da die entsprechenden Druckvorlagen nicht mehr vorhanden sind.
     Hinzu kam ein Weiteres. Eine Durchsicht der HKA-Unterlagen, die Hermann Wiedenroth der Karl-May-Stiftung übergeben hatte, zeigte, dass für die ersten fünf Bände keine komplette Vergleichslesung aller zu Mays Lebzeiten erschienenen Ausgaben – vom Erstabdruck im Pustet’schen „Deutschen Hausschatz“ bis zur letzten Auflage im Verlag Fehsenfeld, der blau-illustrierten Ausgabe – durchgeführt worden war. Sie basierten zwar auf der Ausgabe letzter Hand, ansonsten war eine Vergleichslesung aber nur, und das auch nur in Teilen, mit der Zeitschriftenfassung und der Fehsenfeld-Erstauflage erfolgt. Das ergab selbstverständlich eine weithin authentische Fassung des Textes, jedoch keine Fassung, wie man sie sich für eine HKA eigentlich vorstellt, für die sämtliche bekannten Fassungen bzw. Ausgaben eines Werks heranzuziehen sind. Die Mammutaufgabe der Erstellung des editorischen Berichts für die sechs Bände des Orientzyklus ist wohl einer der Gründe, wenn nicht gar der Hauptgrund dafür gewesen, dass Der Schut unter den Erstherausgebern nie erschienen ist.
     Da der Text also auf jeden Fall neu zu setzen war, zumindest geringfügige Abweichungen im endgültigen May-Text zu erwarten waren, ein editorischer Gesamtbericht einen zusätzlichen Band erfordert hätte und auch neuere Subskribenten die Chance erhalten sollten, alle Bände des Orientzyklus erwerben zu können, haben wir uns seinerzeit entschieden, eine Neuauflage des Orientzyklus zu veranstalten, bei der jeder Band – ähnlich wie auch im Fall der Winnetou-Trilogie – seinen eigenen editorischen Bericht enthält. Diese Entscheidung ist im Übrigen erst gefallen, nachdem wir auf dem KMG-Kongress in Marburg eine ausführliche Diskussion mit den anwesenden interessierten KMG-Mitgliedern mit anschließendem Votum durchgeführt hatten, das eine Mehrheit für die vorgestellte Lösung ergeben hat, und nachdem auch die Karl-May-Stiftung, die die die Bände der HKA zu finanzieren hat, ihre Zustimmung gegeben hatte.
     Uns war und ist bewusst, dass diese Vorgehensweise für die Subskribenten und Käufer der ersten Stunde, die Altabonnenten der HKA, eine gewisse Zumutung darstellt, müssen sie doch ggf. die ersten fünf Bände noch einmal erwerben, wenn sie in den Besitz aller editorischen Berichte kommen wollen. Deshalb hat sich die Karl-May-Stiftung entschlossen, diese Bände des Orientzyklus aus der laufenden Subskription herauszunehmen und den Subskribenten freizustellen, ob sie diese Bände beziehen wollen. Wir hoffen natürlich, dass der Neuigkeitswert der Bände auch möglichst viele Besitzer der ersten Auflage bewegen kann, die Zweitauflage zu erwerben. Diese Entscheidung sollte um so leichter fallen, als nicht alle fünf Bände auf einmal erscheinen, sondern zwischen dem Erscheinen der einzelnen Bände des Orientzyklus sicherlich ungefähr jeweils anderthalb Jahre liegen werden (soweit wir das heute bereits kalkulieren können), die zusätzlichen Kosten, die auf die Altabonnenten zukommen, sich also in Grenzen halten bzw. über einen längeren Zeitraum verteilt sind.
     Allen, die sich für den Bezug der Bände entscheiden, können wir auf jeden Fall versprechen, dass sie mit jedem Band einen allen Kriterien einer historisch-kritischen Ausgabe gerecht werdenden Textkorpus und einen editorischen Bericht mit detaillierten und umfassenden Informationen zu Textgeschichte, Textausgaben und Textvarianten erhalten werden – überraschende Funde bisher nicht oder kaum bekannter Textfassungen eingeschlossen. Dr. Florian Schleburg als Verfasser des editorischen Berichts steht dafür ebenso ein wie die einzelnen Bearbeiter der sehr umfangreichen Variantensammlungen; im Falle von Durch die Wüste ist dies Dr. Karl-Eugen Spreng.
     Der nach Durch die Wüste vorgesehene Band der HKA ist von Herausgeber- und Bearbeiterseite bereits weitgehend fertiggestellt. Es handelt sich um Orangen und Datteln, die von May selbst zusammengestellte Anthologie diverser kleinerer Orienterzählungen mit dem schönen Untertitel Reisefrüchte aus dem Oriente, die als Band X der „gesammelten Reiseromane“ erschienen ist und in der Zählung der HKA die Nummer IV.24 trägt. Wenn während der Zeit von Satz und Druck nicht Unvorhergesehenes dazwischen kommt, kann dieser Band wohl bereits Ende des ersten Quartals 2017 erscheinen.

Joachim Biermann 


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (33/Juni 2016)

Heute kann ich mich an dieser Stelle relativ kurz fassen. Die als nächstes in Aussicht genommenen Bände unserer Edition sind jetzt im Grundsatz alle weitgehend vorbereitet. Als erster Band wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2016 Durch die Wüste (KMW IV.1) erscheinen. Damit beginnen wir die zweite Auflage des Orientzyklus, deren Text auf der Grundlage einer Vergleichslesung sämtlicher Ausgaben und Auflagen nochmals durchgesehen wurde und die jeweils einzeln mit den zugehörigen Editorischen Berichten versehen sind. Für   Durch die Wüste ergab sich dabei auch der Fund eines bisher noch unbekannten Abdrucks, der im Editorischen Bericht entsprechend dokumentiert wird. Bearbeiter dieses Bandes sind Karl-Eugen Spreng und Florian Schleburg.
     Diesem Band wird sodann der neukonzipierte Band I.9 Auf der See gefangen folgen, der neben dem titelgebenden Roman auch die Erzählungen Ein Dichter und Die Both Shatters enthalten wird. Ein Dichter wurde für diesen Band erstmals im Detail mit dem Nachdruck Der Pfahlmann in der Zeitungsbeilage ›Im Familienkreise‹ zur ›Kölnischen Volkszeitung‹ verglichen. Diesen Band betreue ich selbst als Bearbeiter.
     Auf der See gefangen wurde bekanntlich in der mehrfach aufgelegten Zeitschrift ›Deutsche Gartenlaube‹ unter dem Titel Schloß Wildauen nachgedruckt. Von dieser Zeitschrift sind bisher nur wenige Exemplare, von denen kaum eines ganz vollständig ist, bekannt. Falls ein Sammler ein uns bisher unbekanntes Exemplar dieser ›Deutschen Gartenlaube‹ besitzt, wäre ich sehr dankbar, wenn er es mir zur Durchsicht verfügbar machen würde.
     Danach wird dann Band IV.25 Orangen und Datteln erscheinen, in dem Karl May eine Reihe seiner Marienkalender-Erzählungen zusammenführte. Bearbeiter dieses Bandes ist Josef Jaser.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (32/März 2016)

Im Februar dieses Jahres ist der aktuelle Band der HKA, Aus der Mappe eines Vielgereisten (I.8), erschienen. Er bietet einen aufschlussreichen Einblick in die Entstehung der exotischen Abenteuerwelt Karl Mays, enthält er doch die frühesten May’schen Abenteuererzählungen und kann verdeutlichen, wie sich Handlungsorte und Personal der klassisch gewordenen Erzählwelt Mays herausgebildet haben. Erstmals dokumentieren wir in diesem Band auch ein May’sches Manuskript, nämlich eine von ihm begonnene, aber nicht zu Ende geführte Bearbeitung des Old Firehand. Zudem erschließen umfangreiche synoptische Gegenüberstellungen die Weiterentwicklung verwandter Textpassagen und geben so auch den Blick frei auf das zunehmende erzählerische Können Karl Mays.
     Mit dem soeben vorgestellten Band legen wir den zwölften HKA-Band vor, der seit dem Vertrag zwischen Karl-May-Stiftung, Karl-May-Verlag und Karl-May-Gesellschaft über die Fortführung der Historisch-kritischen Ausgabe herausgebracht worden ist. Noch keine zehn Jahre ist dieser Vertrag alt. Das bisherige Ergebnis kann sich also durchaus sehen lassen. Wenn auch die Mitarbeiter der Karl-May-Gesellschaft durch ihre zeitintensive, aber ehrenamtliche Arbeit wesentlich dazu beitragen, dass eine neue Kontinuität in die Herausgabe der HKA gekommen ist, so soll dabei durchaus nicht das Verdienst der beiden anderen Vertragspartner in den Hintergrund treten. Der Karl-May-Verlag zeichnet nicht nur für den Satz und die gediegene Verarbeitung der Bände verantwortlich; er ermöglicht den Bearbeitern und Herausgebern der Bände auch den Zugang zum Verlags- und Familienarchiv Schmid, ohne den so mancher der bisher erschienenen Bände kaum hätte fertiggestellt werden können. Besonders hervorzuheben ist schließlich auch die Karl-May-Stiftung, die nicht nur als Rechteinhaber der HKA fungiert, sondern vor allem für die Vorfinanzierung jedes Bandes verantwortlich zeichnet und den gesamten Verkauf und Vertrieb organisiert. Eine solche Aufgabe zu stemmen, ist keine leichte Aufgabe. Wir können froh darüber sein, dass dies von der Karl-May-Stiftung so engagiert betrieben wird, was jedoch nur dadurch ermöglicht wird, dass Abonnenten und Käufer der HKA diese auch zu einem finanziell gesicherten Unternehmen machen. Jeder neue Käufer oder Abonnent trägt also das seine dazu bei, Karl Mays Werk in seiner ursprünglichen Gestalt zugänglich zu halten und Karl Mays Vermächtnis, dem sich ja die Stiftung verpflichtet hat, zu erhalten und zu fördern.
     Eine Reihe weiterer HKA-Bände ist zurzeit in Arbeit. Die Reihenfolge ihres Erscheinens wird davon abhängen, welcher Text zuerst publikationsreif ist. Von den klassischen Werken Mays aus der Abteilung IV der HKA sind dies die zweite, nunmehr mit einem editorischen Bericht ausgestattete Auflage von Durch die Wüste, für die Florian Schleburg und Karl-Eugen Spreng verantwortlich zeichnen, und der zweite Band der Mahdi-Trilogie, wiederum herausgegeben von Ralf Gehrke und Johannes Zeilinger. Ebenfalls der Abteilung IV gehören die Bände Die Rose von Kaïrwan und Orangen und Datteln an, die ebenfalls in Arbeit sind.
     Aus der Abteilung V wird zurzeit der Band Abdahn Effendi mit den kürzeren Erzählungen des May’schen Spätwerks vorbereitet. Aus der Abteilung I schließlich ist der von uns neu konzipierte Band I.9 Auf der See gefangen vorgesehen. Er enthält zwei umfangreiche Texte, nämlich den Roman Auf der See gefangen und die Erzählung Ein Dichter, und zudem noch die kleinere Erzählung Die Both Shatters. Die beiden letztgenannten Texte, die ursprünglich für den Band I.8 der HKA vorgesehen waren, sind bereits editorisch erschlossen und abschließend eingerichtet. Auf der See gefangen bereite ich im Augenblick für die Publikation vor.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (31/Dezember 2015)

Der neueste Band der HKA, Geographische Predigten, ist vor kurzem an alle Subskribenten ausgeliefert worden – mit ihm liegt jetzt der in der Zählung der Ausgabe (I.1) erste Band vor, der neben ersten lyrischen Versuchen Karl Mays die nichtfiktionalen Texte aus der Frühzeit des Autors enthält. Es ist ein HKA-Band, der in Frank Werders umfangreichem editorischem Bericht eine ganze Reihe von Neuigkeiten bietet. Als folgenden Band haben wir Aus der Mappe eines Vielgereisten (KMW I.8) eingeplant, der voraussichtlich aber nicht mehr 2015, sondern erst Anfang 2016 erscheinen wird.
     Bei der abschließenden Kalkulation für den letztgenannten Band mussten wir feststellen, dass die dafür vorgesehenen 16 frühen Abenteuererzählungen Karl Mays zuzüglich der dazu gehörigen editorischen Berichte den Umfang eines normalen HKA-Bandes sprengen würden.  Natürlich besteht immer die Möglichkeit, einen HKA-Band in zwei Teilbände aufzuteilen; wir haben uns jedoch für ein anderes Vorgehen entschieden.
     Eine Kalkulation der dem Band I.8 vorausgehenden Bände der HKA erbrachte nämlich das Ergebnis, dass auch Ein Fürst des Schwindels (KMW I.7) und Pandur und Grenadier (I.6) ähnlich umfangreich werden würden wie Aus der Mappe eines Vielgereisten. Um nicht auch hier zur Teilung der Bände greifen zu müssen, haben wir uns nach einigen Diskussionen entschieden, die für die Bände I.6–I.8 der HKA vorgesehenen May-Texte teilweise neu aufzuteilen und einen neuen Band I.9 einzuschieben. Der Waldläufer, der abschließende Band der Abteilung I, bekommt damit die neue Nummer I.10. Die jetzt geplante Neuaufteilung führt dazu, dass sämtliche genannten Bände aller Voraussicht nach einen akzeptablen Umfang zwischen rund 500 und höchstens 750 Seiten haben werden.
     Im einzelnen sehen die Bände 6 bis 10 der Abteilung I jetzt folgendermaßen aus:

I.6 Pandur und Grenadier
Humoresken um den Alten Dessauer
Aus diesem Band haben wir die beiden um den Feldmarschall Blücher kreisenden Erzählungen Die Kriegskasse und Husarenstreiche nach Band I.7 verschoben, so dass er jetzt ein reiner Dessauer-Band wird.

I.7 Ein Fürst des Schwindels
Frühe Erzählungen aus Europa

Aus diesem Band wird der umfangreichste Text, Auf der See gefangen, herausgenommen und bildet den Haupttext des neuen Bandes I.9.
Es bleiben die vier Kriminalnovellen Wanda, Nach Sibirien, Aqua benedetta und Ein Fürst des Schwindelns in diesem Band, jetzt ergänzt um die beiden aus Band I.6 hierher verschobenen historischen Erzählungen.

I.8 Aus der Mappe eines Vielgereisten
Abenteuererzählungen I

Auch dieser Band wird „verschlankt“, indem die beiden Erzählungen Ein Dichter und Die Both Shatters jetzt in dem neuen Band I.9 zum Abdruck kommen werden. Im Band bleiben damit immer noch 14 frühe exotische Abenteuererzählungen Mays und ein sehr umfangreicher editorischer Bericht.

I.9 Auf der See gefangen
Abenteuererzählungen II

Dieser neu konzipierte Band enthält neben dem titelgebenden Roman Auf der See gefangen die beiden weiteren Erzählungen Ein Dichter und Die Both Shatters.
Da die beiden letztgenannten Texte, die ursprünglich für den in Kürze erscheinenden Band I.8 vorgesehen waren, bereits editorisch vollständig bearbeitet sind, wird dieser Band in nicht allzu ferner Zukunft bereits fertiggestellt werden können.

I.10 Der Waldläufer
Roman nach Gabriel Ferry

Dieser die Abteilung I abschließende Roman erhält die neue Bandnummer I.10.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (30/September 2015)

In meinem letzten Bericht bin ich recht ausführlich auf den als nächstes für das Erscheinen vorgesehenen Band I.1 der HKA, Geographische Predigten, eingegangen. Von Bearbeiter- und Herausgeberseite ist dieser Band jetzt fertiggestellt. Auch der Satz durch den Karl-May-Verlag wird mit dem Erscheinen dieses Heftes bereits abgeschlossen sein. So hoffe ich darauf, dass auch der Druck und die Bindung des Bandes recht rasch vonstatten gehen, damit der Vertrieb durch die Karl-May-Stiftung dann möglichst bald in Angriff genommen werden kann.
     Auch die Arbeit von Bearbeiter und Herausgeber am als nächsten geplanten HKA-Band I.8, Aus der Mappe eines Vielgereisten, ist bereits so gut wie abgeschlossen. Wenn die Kapazitäten von Karl-May-Verlag und Karl-May-Stiftung es zulassen, kann seine Publikation also unmittelbar nach Erscheinen von Band I.1 vorbereitet werden.
     Konnte ich bereits für die Geographischen Predigten berichten, dass sowohl der Textteil als auch der umfangreiche editorische Bericht des Bandes beachtliche Neuigkeiten präsentieren, so gilt dies auch für den Folgeband. Aus der Mappe eines Vielgereisten enthält nicht nur die unter diesem Reihentitel erstveröffentlichten Texte Mays (Inn-nu-woh, der Indianerhäuptling und Old Firehand), sondern alle frühen Abenteuererzählungen Karl Mays, die insbesondere in der von ihm selbst redigierten Zeitschrift ›Frohe Stunden‹ erstmals erschienen sind.    Fast alle dieser frühen Erzählungen wurden von May später erneut, oft mehrfach, veröffentlicht. Auch nahm May viele von ihnen als Grundlage von umfangreichen Neubearbeitungen, die im ›Deutschen Hausschatz‹ abgedruckt und dann von ihm später in seine gesammelten Reiseerzählungen aufgenommen wurden.
     Der ebenfalls sehr umfangreiche editorische Bericht dieses Bandes bietet nicht nur eine Gesamtschau des Entstehens und Formens der exotischen Ferne des Wilden Westens und des Orients, in der May später dann seine großen und bekannten Reiseerzählungen ansiedelte, sondern auch einige bisher noch nicht bekannte Aspekte zur Entstehung einiger Erzählungen. So wird zum Beispiel detailliert nachgewiesen, wie der Kölner Verleger Heinrich Theißing die von May gelieferte Erzählung Der Pfahlmann (eine leichte Bearbeitung des früheren Textes Ein Dichter) für die Veröffentlichung in seiner katholischen Familienzeitung einer gründlichen „Säuberung“ unterzog, der sämtliche sexuell als zu aufgeladen empfundene Passagen ebenso zum Opfer fielen wie Schimpfwörter oder als blasphemisch angesehene Textstellen.     Während sich May später als renommierter Autor – etwa in der Auseinandersetzung mit der Redaktion des ›Deutschen Hausschatzes‹ – vehement gegen jede Art von Bearbeitung verwahrte, scheint er in diesem Fall nichts dagegen unternommen zu haben, obwohl ihn Theißing brieflich über sein Vorhaben informiert hatte. Bei der Aufnahme des Pfahlmann in die Rose von Kaïrwan allerdings griff er wieder auf sein ursprüngliches Manuskript zurück.
     Mit einem Ausblick auf die Pläne für 2016/17 möchte ich diesen Bericht beenden. Wie bereits angekündigt, sind sowohl der Band Im Lande des Mahdi II als auch die zweite Auflage von Durch die Wüste (diesmal mit editorischem Bericht) in Arbeit, des Weiteren die Bände Orangen und Datteln, Abdahn Effendi und Die Rose von Kaïrwan. Dazu in späteren Berichten mehr.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (29/Juni 2015)

Im Augenblick sind wir dabei, den Band I.1 der HKA, Geographische Predigten, für die Herausgabe vorzubereiten. Dieser Band eignet sich recht gut, einmal etwas genauer darzulegen, wie ein HKA-Band entsteht.
     Zunächst einmal ist für jeden Band festzulegen, was genau dort an May-Texten hineingehört. Das ist bei einer Romanveröffentlichung wie etwa der Winnetou-Trilogie völlig unproblematisch, bei einem Sammelband wie dem Band I.1 aber höchst kompliziert. Das spiegelt sich schon darin, dass seit den ersten Planungen von Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger der Titel des Bandes mehrfach wechselte zwischen Hinter den Mauern und Geographische Predigten. Unsere endgültige Titelwahl macht bereits einige Grundentscheidungen deutlich: Alle zu Lebzeiten May nicht veröffentlichten, aber in Manuskriptfassungen vorliegenden Texte (wie z. B. das Fragment Hinter den Mauern) werden in der Abteilung VII der HKA veröffentlicht. Der Band I.1 ist von May Veröffentlichtem vorbehalten, und in seinem Zentrum stehen die Geographischen Predigten und andere frühe Sachtexte Mays.
     Hinsichtlich der Geographischen Predigten selbst fanden sich in dem im Karl-May-Verlag erhaltenen Exemplar (auf dessen Rücken May seinen Stempel gesetzt und handschriftlich Redactions-Exemplar vermerkt hat) überraschenderweise einige, wenn auch wenige, Korrekturen von Mays Hand, insbesondere zu Beginn des siebten Kapitels. Wir konnten nicht ermitteln, dass es eine weitere Veröffentlichung gegeben hat, wissen also nicht, wofür May diese Veränderungen vorgenommen hat, doch spiegeln sie eindeutig Mays Autorwillen zur Änderung der jeweiligen Stellen, so dass wir sie in den Textteil des Bandes übernommen haben, während die ursprünglich gedruckte Version nunmehr im Variantenapparat erscheint.
     Seit vielen Jahren gibt es einen gewissen Konsens, welche der von May in den von ihm redaktionell betreuten Zeitschriften anonym zum Abdruck gebrachten Texte ihm zugeschrieben werden können. Doch nun mussten wir uns definitiv festlegen. Frank Werder als Bandbearbeiter und ich als Herausgeber haben uns dafür entschieden, alle Texte, bei denen wir mit einiger Sicherheit, wenn auch selten mit absoluter Gewissheit, annehmen konnten, May habe sie verfasst, auch in den Band aufzunehmen.
     Problematisch erschien zunächst, ob wir auch eine Reihe von Beiträgen statistischer Natur, die in Schacht und Hütte erschienen sind, aufnehmen sollten. Hier schien der Redakteur May – in dem Bestreben, die avisierte Leserschaft der Berg-, Hütten- und Maschinenarbeiter mit berufsbezogenen Informationen zu versorgen – Zahlenmaterial aus anderen Quellen schlicht übernommen, also keine eigenständige Leistung dabei erbracht zu haben; in diesem Fall wären diese Beiträge eher in den Abteilungen VII oder IX der HKA sinnvoll unterzubringen gewesen.
     Doch intensive Forschungen Frank Werders brachten erstaunlich viele der von May für diese statistischen Beiträge genutzten Quellen zutage, und entgegen ersten Erwartungen stellte es sich heraus, dass May beileibe nicht einfach umfangreiche Teile daraus übernommen hat, sondern es war festzustellen, dass er seine Quellen hier eher als Steinbruch benutzte und dann aus dem selektierten Material seine Übersichten für Schacht und Hütte mit erkennbarem Eigenanteil neu zusammengestellt hat. So kamen wir zu der Entscheidung, auch diese Texte in den Band I.1 aufzunehmen.
     Damit wurde der Band mehr und mehr zu einer Sammlung der Texte, die Karl May als Redakteur der von ihm betreuten Zeitschriften verfasst hatte. So entschlossen wir uns, diesen Punkt als Kriterium für die Aufnahme von Texten zu wählen und nunmehr alle redaktionellen Texte Mays aufzunehmen. So sind darin auch sämtliche May’schen Leserbriefantworten aus den Briefkästen in Schacht und Hütte und Frohe Stunden enthalten sowie alle klar als redaktionelle Texte erkennbaren Kurztexte, die sich in den Zeitschriften finden.
     Diese Entscheidung führte zu einem weiteren Problem. Einige Seiten aus der Zeitschrift Frohe Stunden erwiesen sich bei der Zusammenstellung des KMG-Reprints als nicht reprintfähig und wurden buchstaben- und zeichengetreu neu gesetzt. Diese Seiten konnten bisher nicht im Original bzw. als Kopie eingesehen werden. Es handelt sich um die Seiten 240, 253, 256, 512, 544 und 560. Bandbearbeiter und Herausgeber bitten daher um Mithilfe, diese Seiten noch im Original einsehen zu können.
     Schon immer war auch geplant gewesen, frühe Gedichte Mays in diesen Band aufzunehmen. Dies haben wir so beibehalten, die Auswahl aber beschränkt auf die von May in verschiedenen Zeitschriften tatsächlich veröffentlichten lyrischen Texte, währten nur im Manuskript erhaltene in der Abteilung VII erscheinen werden.
     Die Vielzahl der nunmehr im Band I.1 enthaltenen meist kurzen oder sehr kurzen May-Texte (das Inhaltsverzeichnis allein umfasst sechs Seiten!) bringt es mit sich, dass der Editorische Bericht entsprechend umfangreich wird, er ist der längste, den sich bisher in der HKA findet. Eine kaum zu überschauende Zahl von Details zu jedem der Texte war hier zu erfassen und angemessen zu kommentieren. In enger Zusammenarbeit haben Frank Werder und ich den Editorischen Bericht verfasst und sind auch jetzt, wo der Textteil des Bandes bereits in Bamberg gesetzt wird, noch dabei, letzte Details zu klären und einzuarbeiten.
     Der Satz des Textteils ist aufgrund der ungewöhnlichen und komplexen Gestalt der genannten statistischen Beiträge recht schwierig und langwierig. Herr Haug vom Karl-May-Verlag wird aber auch diese Herausforderung mit Routine und großer Sachkompetenz bald bewältigt haben.
     Wie bei jedem HKA-Band, so müssen Bandbearbeiter und Herausgeber nach Abschluss der Arbeiten am Textteil zunächst daran gehen, sämtliche Stellenangaben im Editorischen Bericht auf den nunmehr vorliegenden gesetzten Text umzustellen. Erst wenn das erledigt ist, kann dann auch der Editorische Bericht gesetzt werden.
     Nach einer letzten Korrekturlesung durch Bandbearbeiter und Herausgeber wird der Band sodann in Druck gehen. Auch bis dahin kann eine gewisse Zeit vergehen, denn erst wenn absehbar ist, wann der Band fertig gesetzt ist, und die Karl-May-Stiftung der Drucklegung zugestimmt hat, kann der Karl-May-Verlag den Auftrag zu Druck und Bindung vergeben. Wir hoffen zuversichtlich, dass der Band I.1 der HKA, sicherlich einer der bisher interessantesten der Reihe, bis zum Herbst dieses Jahres an Abonnenten und Besteller ausgeliefert werden kann.

Joachim Biermann 


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (28/März 2015)

Mit dem Erscheinen der zweiten Auflage des Bandes Winnetou II im Rahmen der Historisch-kritischen Ausgabe im Dezember letzten Jahres liegt nun die Winnetou-Trilogie in dieser Ausgabe vollständig vor und die überprüfte Textfassung letzter Hand, wie sie Karl May für die Illustrierten Reiseerzählungen im Fehsenfeld-Verlag letztmalig einrichtete, steht im Neusatz zur Verfügung. Die ausführlichen editorischen Berichte einschließlich der umfangreichen Variantenapparate, die wir jedem der drei Winnetou-Bände beigegeben haben, lassen es auch im Nachhinein als sehr gerechtfertigt erscheinen, dass wir von den früheren Plänen für die HKA, dem dritten Winnetou-Band den gesamten editorischen Bericht beizugeben, abgewichen sind.
     Auch für den Orientzyklus wollen wir, wie bereits mehrfach angekündigt, in gleicher Weise vorgehen: Jeder der sechs Bände wird einen eigenen editorischen Bericht erhalten, und die Entstehungsgeschichte des Zyklus wird dabei m sechsten Band Der Schut enthalten sein. Wir haben nunmehr damit begonnen, den ersten Band des Zyklus Durch die Wüste für die Veröffentlichung vorzubereiten. Die wegen der vielen Auflagen im Fehsenfeld-Verlag recht umfangreiche Liste der Varianten ist bereits vollständig erfasst und die weiteren Vorbereitungen sind im Gange. Für die Erfassung der Varianten und der verschiedenen Auflagen und Ausgaben des Bandes zeichnet als einer der Bandbearbeiter Dr. Karl-Eugen Spreng verantwortlich, und als zweiter Bandbearbeiter überprüft Dr. Florian Schleburg den May-Text des Bandes und erstellt den editorischen Bericht.
     Weitere HKA-Projekte laufen zur Zeit, über die ich bereits berichtet habe: Noch in diesem Jahr sollen, wenn alles wie geplant läuft, die Bände I.1 (Geographische Predigten) und I.8 (Aus der Mappe eines Vielgereisten) erscheinen. Weiterhin sind der zweite Band von Im Lande des Mahdi und Die Rose von Kaïrwan in Arbeit. Neu aufgenommen wurde schließlich auch die Arbeit am ersten Band von Satan und Ischariot (KMW IV.15) und Orangen und Datteln (KMW IV.24).

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (27/Januar 2015)

Winnetou II ist als neuester Band der HKA noch im Dezember 2014 erschienen. Damit liegt nun die Winnetou-Trilogie im Rahmen der HKA erstmals vollständig vor. Wie bei Winnetou I, so handelt es sich auch bei Winnetou II um eine zweite Auflage; die von den beiden früheren Herausgebern der HKA vor über zwanzig Jahren publizierten Erstauflagen waren wegen des fehlenden dritten Bandes nur ein Torso und verfügten nicht über editorische Berichte.
     Zwei der als nächstes vorgesehenen Bände sind mittlerweile in den Vorbereitungen so weit fortgeschritten, dass ich sie mit gutem Gewissen für 2015 ankündigen kann: Zum einen ist dies Band I.1, Geographische Predigten; der editorische Bericht ist schon sehr weit gediehen.  Im Falle von Band I.8, Aus der Mappe eines Vielgereisten, habe ich als Bearbeiter die erste Fassung des editorischen Berichts sogar bereits abgeschlossen, auch wenn noch einige Einzelheiten zu klären sind, bevor der Band dann zum Bandherausgeber gehen wird, der Text und Bericht gegenlesen und begutachten muss.
     Was den letztgenannten Band betrifft, so sind im Zuge der Arbeit daran einige bisher unbekannte oder zumindest unbeachtet gebliebene Aspekte der Entstehungsgeschichte einiger Erzählungen zu Tage getreten. Dies gilt insbesondere für Old Firehand, für die frühe Erzählung Der Oelprinz und auch für Ein Dichter, das später unter dem Titel Der Pfahlmann erneut veröffentlicht wurde, bevor es May dann nochmals einige Jahre später in den Sammelband Die Rose von Kaïrwan aufnahm. Auch dieser Sammelband, der ja als Band IV.28 der HKA geplant ist, befindet sich in der Vorbereitung zur Veröffentlichung.
     Was die weiteren geplanten Bände aus der Abteilung IV – Reiseerzählungen – betrifft, so sollen hier demnächst auf jeden Fall der zweite Band von Im Lande des Mahdi und der erste Band des Orientzyklus, Durch die Wüste, in Zweitauflage erscheinen. Am liebsten wäre es mir, wenn wir alle Bände des Zyklus in der originalen Reihenfolge herausbringen könnten, doch ist dies noch nicht sicher, da nicht alle Bandbearbeiter auf dem gleichen Stand der Vorbereitungen sind.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (26/September 2014)

Nach dem Erscheinen von Im Lande des Mahdi I können wir unseren Blick wieder etwas weiter voraus werfen. Der zweite Band der Mahdi-Trilogie soll in nicht allzu großem zeitlichen Abstand folgen; ob dies bereits 2015 der Fall sein wird, ist noch nicht mit Sicherheit zu sagen.     Dieser zweite Band wird auch einen Aufsatz zum historischen Mahdi enthalten und so den aktuellen zeitgenössischen Hintergrund des Bandes etwas erhellen helfen.
     An Band I.1 der HKA – Geographische Predigten – wird weiterhin gearbeitet und ich bin zuversichtlich, dass der Band bis 2015 erscheinen kann. Karl May hat ja die geographisch-religiösen Überlegungen, die er in diesen Aufsätzen anstellte, immer als die Grundlage seines Werks angesehen. Neben Mays frühen Aufsätzen, die im Wesentlichen in der von ihm redigierten Zeitschrift „Schacht und Hütte“ erschienen, wird der Band auch die frühesten veröffentlichten Gedichte Mays enthalten, ebenso die Briefkastenantworten des Redakteurs Karl May aus „Schacht und Hütte“, „Feierstunden am häuslichen Heerde“ und „Frohe Stunden“.
     Aller Voraussicht nach wird aber Band IV.13 Winnetou II noch in diesem Jahr vor den Geographischen Predigten erscheinen. Mit diesem Band wird dann die Neuherausgabe der Winnetou-Trilogie im Rahmen der HKA zum Abschluss gebracht werden. Wir wollen danach dann die Neuherausgabe des Orientzyklus in Angriff nehmen und sukzessive auch dessen sechs Bände herausbringen, was allerdings ein Unternehmen von mehreren Jahren sein wird. Immerhin liegen für einen Teil der Bände bereits die Vorarbeiten der Bandbearbeiter komplett vor. Florian Schleburg hat die Gesamtverantwortung für die Gestaltung der Editorischen Berichte übernommen.
     Die Arbeit an einem weiteren, hochinteressanten Band der HKA macht gute Fortschritte, so dass ich auch hier von einem Erscheinen voraussichtlich noch 2015 ausgehe: Band I.8 Aus der Mappe eines Vielgereisten. Dieser Band enthält die frühen exotischen Abenteuererzählungen Karl Mays, die er in verschiedenen Münchmeyer-Zeitschriften und vor allem in den „Frohen Stunden“, aber auch in verschiedenen anderen Publikationen veröffentlicht hat. Die Vorarbeiten zu diesem Band zeigen, dass mit dem genauen Studium dieser frühen Texte eine Reihe von durchaus neuen Erkenntnissen über deren Entstehung und Mays Arbeitsweise zu jener Zeit zu gewinnen sind. Viele der insgesamt 16 Erzählungen des Bandes haben eine recht komplexe Textgeschichte, so dass wir mit dem bisher wohl umfangreichsten Editorischen Bericht rechnen müssen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (25/Juni 2014)

Dieses Mal kann ich meinen Bericht recht kurz halten. Der neuste HKA-Band, Im Lande des Mahdi I, ist mittlerweile in den Händen der Abonnenten und Subskribenten sein. Und die Arbeit an den Folgebänden schreitet voran, ohne dass sich seit dem letzten Mal Berichtenswertes ergeben hat.
     In meinem letzten Bericht hatte ich für die HKA nach einigen seltenen Auflagen und Zeitschriftenjahrgängen gesucht. Diese Suche ist in einer Reihe von Fällen erfolgreich gewesen, und ich möchte den Mitgliedern, die uns entsprechende Texte im Original oder in Kopie zur Verfügung stellten, herzlich danken.
     Zugleich fühle ich mich ermutigt, auch diesmal wieder nach einer bisher noch nicht gefundenen Zeitschrift zu suchen. Für den HKA-Band I.8, Aus der Mappe eines Vielgereisten, der frühe Abenteuererzählungen enthält, fehlt uns noch die Einsichtnahme in den einen oder anderen Nachdruck. So erschienen die bekannten May-Erzählungen Ein Self-man und Leïlet unter den Titeln Abraham Lincoln bzw. Am Nil in folgender Zeitschrift:

Sonntagsruhe. Familienblatt zur Unterhaltung und Belehrung. Berlin: Verlag der Societät der Berliner Bürger-Zeitung (vorm. D. Collin) W. & S. Loewenthal. 15. Jahrgang 1879, Nr. 32–39 und Nr. 44–50.

Wer und sagen kann, wo wir eventuell Einsicht in diese Zeitung nehmen können, oder sie oder eine Kopie daraus zur Verfügung stellen kann, sei herzlich geben, sich bei mir zu melden. Die ›Sonntagsruhe‹ war die Sonntagsbeilage zur Berliner Bürger-Zeitung, so dass es sich auch lohnen könnte, den entsprechenden Jahrgang dieser Zeitung auf die Beilage mit den May-Texten hin zu untersuchen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (24/März 2014)

Die Arbeit an den als nächstes vorgesehenen Bänden der HKA – Im Lande des Mahdi I, Winnetou II und Geographische Predigten – schreitet voran. Kleine Verzögerungen sind natürlich immer möglich, da es sich bei der Vorbereitung von Bänden der HKA nicht nur um recht umfangreiche Unternehmungen handelt, sondern wir auch auf möglichste Präzision und Korrektheit von Texten und editorischem Bericht bedacht sind.
     Ich möchte meinen Blick nun bereits über die genannten Bände hinaus werfen und wieder einmal um Ihre Mithilfe bitten, was die Einbeziehung bisher für uns nicht zugänglicher bzw. als verschollen geltender Nachdrucke von May-Texten betrifft.
Gelegentlich hält die Beschäftigung mit einzelnen Texten interessante Überraschungen bereit. Im Rahmen der Vorbereitung des Bandes Geographische Predigten wurde das Original des von May in ›Schacht und Hütte‹ abgedruckten Textes Die Bergwerksindustrie Preußens im Jahre 1874 in Augenschein genommen. Als Resultat dieser Prüfung wird dieser Bericht über die preußische Bergwerksindustrie, wie auch ein weiterer Bericht über Die Knappschaftsvereine Preußens im Jahre 1873, im ersten Band der HKA aufgenommen.
     Ein weiterer von May als Übernahme gekennzeichneter Beitrag konnte bisher jedoch noch nicht überprüft werden. Es handelt sich um ›Zweiundsechszig Stunden in Todesgefahr‹ (Schacht und Hütte, S. 79). Dieser wurde aus den ›Pilsener Blättern‹ (vermutlich gegen Ende Oktober 1875 erschienen) übernommen. Vielleicht verfügt ein KMG-Mitglied über diesen Abdruck?
     Des Weiteren fehlen für den zweiten und dritten Band von Im Lande des Mahdi dem Bearbeiter, Herrn Dr. Gehrke, bisher noch einige Fehsenfeld-Auflagen:

          Im Lande des Mahdi II, 6.–10. und 26.–30. Tausend
          Im Lande des Mahdi III, 6.–10. und 16.–20. Tausend.

Wiederaufgenommen haben wir die Vorbereitung des Bandes I.8 der HKA, Aus der Mappe eines Vielgereisten. Auch dafür sind wir auf der Suche nach einigen Abdrucken, die bisher zwar bibliographisch nachgewiesen, aber nicht als reale Exemplare tatsächlich eingesehen werden konnten. Die ZDB – Zeitschriftendatenbank – der deutschen und österreichischen wissenschaftlichen Bibliotheken, die uns beim Auffinden seltener Abdrucke oft eine große Hilfe ist, weist von den nachfolgenden Zeitschriftenjahrgängen nirgends einen Bestand auf, so dass wir hoffen müssen, ein Sammler oder ein Forscher, der Zugang zu der ZDB nicht angeschlossenen Bibliotheken hat, kann uns weiterhelfen:

Neues Unterhaltungs-Blatt. 8. Jahrgang 1877 (Wiesbaden: Verlag von Theodor Herrmann)
(dieser Jahrgang enthält Nachdrucke von Der Gitano und Inn-nu-woh)
Im Familienkreise. 8. Jahrgang 1885. Gratisbeilage zum Rheinischen Merkur (Köln: Verlag von Heinrich Theissing)
(dieser Jahrgang enthält einen Nachdruck von Old Firehand)

Im Falle von ›Im Familienkreise‹ ist es nicht unwahrscheinlich, dass diese Beilage nicht nur dem ›Rheinischen Merkur‹, sondern auch anderen Zeitschriften, die im Großraum Köln erschienen, beigegeben war, insbesondere anderen Zeitschriften des Verlags von Heinrich Theissing.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (23/Dezember 2013)

Zu Beginn dieses Berichts möchte ich einige Worte zur Subskribentenliste sagen, die wir – der von Hermann Wiedenroth begonnen Tradition folgend – am Ende jedes HKA-Bandes veröffentlichen. In letzter Zeit mehren sich nämlich die Nachfragen von Subskribenten unserer Reihe, warum denn die von ihnen gemeldete Adressänderung zwar beim Versand neuer HKA-Bände berücksichtig würde, in der Subskribentenliste jedoch weiterhin der alte Wohnort auftauche. Die Begründung lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Datenschutz. Wer seinen Namen in die Subskribentenliste aufgenommen wissen wollte, musste seinerzeit eine entsprechende schriftliche Erklärung dazu abgeben. Dies gilt aber auch für Änderungen des Eintrags: Wenn Sie uns nicht ausdrücklich mitteilen, dass der Sie betreffende Eintrag in der Subskribentenliste geändert werden soll, dürfen wir diese Änderung nicht eigenständig vornehmen.
     Die Sache ist für Sie ganz einfach: Wenn Sie dem Karl-May-Museum eine Adressänderung melden, geben Sie bitte auch an, den Sie betreffenden Eintrag in der Subskribentenliste entsprechend zu ändern. Haben Sie dies in der Vergangenheit vergessen oder möchten Sie den Eintrag aus anderen Gründen ändern lassen, können Sie uns das natürlich auch jederzeit mitteilen. Diese Mitteilung sollte an das Karl-May-Museum gehen, Sie können sich aber auch gern an mich als geschäftsführenden Herausgeber wenden.
     Der Band Winnetou III ist mittlerweile erschienen und allen Subskribenten zugestellt worden. Somit steht nur noch der zweite Band der Winnetou-Trilogie aus, dessen Erscheinen für 2014 eingeplant ist. Zurzeit bin ich mit der Vorbereitung dieses Bandes beschäftigt. Karl May hat darin ja, neben Der Scout, auch seine Erzählung Old Firehand von 1875 aufgenommen, allerdings nicht in dieser frühen Fassung, in der Old Firehands Tochter Ellen eine entscheidende Rolle spielt, sondern in der Fassung des 1879 im Verlag Franz Neugebauer veröffentlichten Bandes Im fernen Westen, in der Ellen in den Knaben Harry verwandelt und die Liebesgeschichte zwischen dem Erzähler und Ellen entsprechend eliminiert wurde. Die Erzählung liegt damit in zwei deutlich voneinander unterschiedenen Fassungen vor, der „Ellen-Fassung“ und der „Harry-Fassung“. Da letztere in Winnetou II Eingang fand, werden wir auch deren erste Version Im fernen Westen im editorischen Bericht bibliographisch und textgeschichtlich dokumentieren, während die „Ellen-Fassung“ mit ihren Varianten im Band I.8 der HKA, Aus der Mappe eines Vielgereisten, Aufnahme finden wird.
     Damit müssen wir im editorischen Bericht von Winnetou II zwei Buchfassungen bibliographisch dokumentieren: Winnetou II selbst mit allen seinen Nachauflagen bis hin zur blau-illustrierten Ausgabe und Im fernen Westen, das im Verlag Neugebauer und dessen Nachfolger Bardtenschlager ebenfalls eine Reihe von Auflagen erlebte (zum Teil unter dem veränderten Titel Jenseits der Felsengebirge). Für die bibliographische Erfassung reicht damit der Buchstabe B, den wir bisher für Buchausgaben benutzt haben, nicht mehr aus bzw. machte sie unnötig kompliziert. Wir werden deshalb, einer weit verbreiteten Praxis historisch-kritischer Editionen folgend, eine weitere Sigle zur Kennzeichnung von Buchausgaben einführen: Die Sigle D wird zukünftig Buch-Einzelausgaben (wie z. B. Im fernen Westen) kennzeichnen, während die Sigle B ab jetzt Buchausgaben im Rahmen von Reihen vorbehalten bleiben wird.
     Vor Winnetou II jedoch wird der HKA-Band Im Lande des Mahdi I erscheinen. Das wird aber vermutlich nicht mehr Ende 2013 sein können, sondern erst Anfang 2014. Diesem Band sollen dann als nächste Editionen Winnetou II und die Geographischen Predigten folgen.
Mit dem für 2014 eingeplanten Abschluss der Winnetou-Trilogie im Rahmen der HKA wollen wir dann die Neuherausgabe des Orientzyklus in Angriff nehmen. Auch für ihn steht ja noch der editorische Bericht aus, den die Erstherausgeber der HKA für den Abschlussband Der Schut vorgesehen hatten, den wir aber nun angesichts seines Umfangs auf alle sechs Bände des Zyklus verteilen werden. Eine ganze Reihe von Mitarbeitern ist zurzeit dabei, die vielen Varianten der einzelnen Teile zu erfassen und für den editorischen Bericht aufzubereiten. Die Federführung des ganzen Unternehmens hat Dr. Florian Schleburg, der auch die Entstehungs- und Textgeschichte verfassen wird, die im Band Der Schut Aufnahme finden wird. Für drei Bände des Zyklus ist die Erfassung der Varianten sogar bereits abgeschlossen. Die Herausgeberschaft für den Orientzyklus habe ich übernommen.
     Ab 2015 können Sie sich also auch auf das sukzessive Erscheinen bzw. Neuerscheinen des May’schen Orientromans im Rahmen der HKA freuen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (22/September 2013)

Ende August ist der neueste Band der HKA, Winnetou III, erschienen. Damit liegt der lang erwartete Abschlussband der Winnetou-Trilogie erstmals im Rahmen der HKA vor, ein Band bei dem wir – wie berichtet – erstmals auch ein größeres Manuskript-Fragment zum letzten Kapitel aus dem Nachlass Karl Mays berücksichtigen konnten. Die komplizierte Textgeschichte des Bandes führte dazu, dass er einen recht umfänglichen editorischen Bericht von über 60 Seiten enthält.
     Es wird immer wahrscheinlicher, dass der darauf folgende HKA-Band, der gegen Ende 2013 erscheinen soll, der erste Band von Im Lande des Mahdi sein wird, während der HKA-Band I.1, Geographische Predigten, dann, ebenso wie Winnetou II, 2014 folgen soll.
     Auch für 2014 streben wir an, drei HKA-Bände herauszubringen. Welches neben den soeben genannten Werken die dritte Neuausgabe des kommenden Jahres sein wird, steht allerdings noch nicht so sicher fest, dass ich jetzt bereits Genaueres dazu sagen könnte.
     Überhaupt möchte ich alle HKA-Interessenten um etwas Geduld bitten, wenn es um Ankündigungen von Bänden geht. Ich bemühe mich immer, im Sinne der Offenheit gegenüber der KMG und ihren Mitgliedern, die ja als Herausgeber der HKA zeichnen und denen gegenüber ich mich verpflichtet fühle, möglichst präzise und aussagekräftige Angaben zu machen. Trotzdem handelt es sich natürlich immer nur um Vorhersagen, die keinen Verbindlichkeitsanspruch erheben können. Verzögerungen auf der Seite der Bearbeiter und Herausgeber können sich ebenso schnell ergeben wie solche auf Seiten von Herstellung und Versand. Wenn dann einmal der eine oder andere zuvor genannte Termin sich um einige Monate verschiebt, hoffe ich sehr auf Ihr Verständnis.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (21/Juni 2013)

Der neue HKA-Band Winnetou I ist mittlerweile ausgeliefert und ist, wie wir hoch erfreut feststellen konnten, weithin auf ein positives Echo gestoßen. Dies war uns umso wichtiger, als wir ja mit diesem Band erstmals das Wagnis eingegangen sind, einen Band der HKA in Zweitauflage herauszubringen, denn bekanntlich war die erste Auflage bereits im Rahmen der vorübergehenden Veröffentlichung der HKA im Haffmans-Verlag, Zürich, erschienen. Die neue Durchsicht des Textes unter Berücksichtigung aller Fassungen dieses Bandes sowie die erstmalige Herausgabe einschließlich der Entstehungsgeschichte und des zugehörigen kritischen Apparates sind, so ist wohl festzustellen, auf die erhoffte Resonanz gestoßen.
     Der bisher im Rahmen der HKA noch nicht veröffentlichte Band Winnetou III wird, wie angekündigt, bald folgen und wird, wenn alles wie geplant läuft, Mitte des Jahres in den Händen der Abonnenten und Vorbesteller sein. Auch dieser Band enthält den zugehörigen kritischen Apparat und die Textgeschichte der darin vereinten Einzelerzählungen, die Karl May für die Winnetou-Trilogie miteinander verbunden hat. Winnetou II, der dann noch ausstehende Band der Trilogie, soll im Laufe des Jahres 2014 folgen.
     Für 2013 haben wir nach Winnetou III noch das Erscheinen eines weiteren HKA-Bandes fest vorgesehen. Und wir sind erstmals in der bisher ungewohnten angenehmen Situation, dass voraussichtlich zwei Bände noch in diesem Jahr fertig werden, sodass wir letztlich den Band herausbringen werden, der zuerst druckfertig ist, während der andere Band dann in der ersten Jahreshälfte 2014 erscheinen wird. „Zur Auswahl“ stehen dabei die Bände KMW I.1 Geographische Predigten und HKA IV.9 Im Lande des Mahdi I.
     Frank Werder ist als Bandbearbeiter intensiv mit den Arbeiten am Band Geographische Predigten beschäftigt. Das ist ein gar nicht einfaches Unterfangen, soll der Band doch alle frühen Sachtexte und Gedichte enthalten, die Karl May in von ihm selbst als Redakteur betreuten Zeitschriften veröffentlicht hat. Die Schwierigkeit liegt vor allem darin, festzulegen, welche dieser Texte mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit May zugeschrieben werden können und deshalb hier Aufnahme finden sollen. Denn nur wenige dieser Texte, allen voran natürlich die für diesen Band zentralen Geographischen Predigten selbst, führen Karl May als Autor an, die meisten wurden anonym veröffentlicht. Es wird sicherlich Grenzfälle geben, bei denen eine pragmatische Entscheidung zu fällen ist. Auf jeden Fall werden die für diesen Band letztlich ausgeschiedenen Texte Aufnahme in der Abteilung IX der HKA finden, die u. a. auch die Texte enthalten wird, bei denen wir hinsichtlich der Autorschaft Mays größere Zweifel haben. Bei den in den Band I.1 aufgenommenen Texten konnte Frank Werder bereits in einigen Fällen weitere Quellen Mays nachweisen, die bisher noch nicht bekannt oder erforscht worden sind.
     Die Mahdi-Trilogie betreut als Bandbearbeiter Dr. Ralf Gehrke, und die Bandherausgeberschaft hat Dr. Johannes Zeilinger übernommen. Für diese Trilogie werden wir ähnlich vorgehen, wie wir dies bei der Winnetou-Trilogie tun, d. h. jeder Band wird den zugehörigen kritischen Apparat einschließlich der Bibliographie und des Textbefundes enthalten; die Entstehungsgeschichte werden wir in diesem Fall im Band IV.11 Im Lande des Mahdi III unterbringen. Die drei Mahdi-Bände sollen, wenn alles wie vorgesehen läuft, in etwa in jährlichem Abstand herauskommen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (20/März 2013)

Bei der Weiterarbeit an der Historisch-kritischen Ausgabe wird immer klarer, dass es sich bei diesem Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes um ein ‚work in progress‘ handelt, das wir zwar im Grundsatz gut vorausplanen können, bei dessen Realisierung sich aber immer wieder Unerwartetes einstellt, das die Arbeit daran in neue Richtungen lenkt und uns veranlasst, unsere zeitlichen Vorstellungen zu modifizieren. In meinem letzten Bericht habe ich angekündigt, dass die beiden Bände „Winnetou I“ und „Winnetou III“ gemeinsam erscheinen sollten. Nun wird es aus den gleich zu erläuternden Gründen so sein, dass sie kurz nacheinander erscheinen werden.
     „Winnetou I“ wird noch im März 2013 ausgeliefert. „Winnetou III“ wird dann etwa im Mai 2013 folgen. Das hat folgende Gründe. Die editorische Arbeit an beiden Bänden hat gezeigt, dass die Variantenapparate, aber insbesondere derjenige von „Winnetou III“, sehr umfangreich sind, was u. a. angesichts der hohen Auflagenzahl beider Werke nicht verwundert. Da wir nach dem Vieraugenprinzip arbeiten, ist die Vergleichsarbeit, die zunächst der Bandbearbeiter und sodann der Bandherausgeber zu leisten haben, entsprechend umfangreich. Wir wollten aber auf jeden Fall sicherstellen, dass zumindest „Winnetou I“ zur Leipziger Buchmesse im März vorliegt. Um das zu garantieren, haben wir zunächst diesen Band komplett fertiggestellt.
     Das erwies sich auch angesichts einer großen, sehr erfreulichen Überraschung, die uns die Vorbereitung des dritten Winnetou-Bandes bereitete, als weise Voraussicht. Denn die Arbeit verzögerte sich. weil ein unerwarteter Fund einbezogen werden musste: Es fand sich nämlich ein Manuskriptteil von „Winnetou III“, ein Fragment des letzten, für die Buchausgabe von Karl May neu geschriebenen Kapitels „Das Testament des Apachen“. Wenn also in einigen Monaten „Winnetou III“ erscheint, wird darin zum ersten Mal die Textfassung dieses Manuskripts der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Wir haben uns angesichts dieser Entdeckung entschieden, bei textlichen Abweichungen von der seinerzeit veröffentlichten Fassung auf die Version des Manuskripts zurückzugreifen. Der Band wird also eine echte Neuheit enthalten.
     Doch zurück zu „Winnetou I“. Wie ja bereits seit Übernahme der HKA-Herausgabe durch die KMG angekündigt, wird dieser Band (entgegen der ursprünglichen Planung der Erstherausgeber) die gesamte Entstehungsgeschichte der Winnetou-Trilogie enthalten, und die editorischen Berichte der Einzelbände werden jeweils die Textgenese und den Textbefund der darin enthaltenen Textteile darstellen. Diese Entstehungsgeschichte ist im Grundsatz bereits bekannt, doch zeigt die konkrete Sichtung der Überlieferung klarer als je zuvor, wie May von Anfang an am Winnetou-Mythos gearbeitet hat und wie dieser sich dann verändert und immer konkreter herausgebildet hat, bis May zu dem Schluss kam, den ursprünglich auf zwei Bände konzipierten „Winnetou“ um einen neu geschriebenen ersten Band zu erweitern, um seine Vorstellungen zumindest im Ansatz verwirklichen zu können, sich aber dabei immer auch bewusst war, dass die Zusammenstellung älterer Winnetou-Erzählungen aus verschiedenen Schaffensperioden ein Werk aus einem Guss letztlich verhinderte.
     Eine interessante Detailerkenntnis der Arbeit an allen drei Winnetou-Bänden für die HKA, die sich vermutlich auf die gesamte Fehsenfeld-Reihe wird übertragen lassen, ist es, dass die jeweils zweite Auflage eines jeden Bandes komplett neu gesetzt wurde, wobei sich eine Vielfalt von kleinen Textveränderungen ergaben, bei denen wir leider nicht mehr endgültig entscheiden können, ob sie durch May veranlasst oder lediglich durch den Setzer verursacht wurden. Dieser Neusatz der zweiten Auflagen wurde wohl notwendig, weil die Erstauflagen regelmäßig unter erheblichem Zeitdruck gesetzt wurde, da die einzelnen Lieferungen pünktlich erscheinen mussten; dabei schlichen sich nicht nur Fehler ein, es entstand oft auch ein relativ unruhiger Satz mit übergroßen oder sehr engen Wortzwischenräumen. Der Neusatz versuchte dies erfolgreich zu reparieren.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (19/Dezember 2012)

Noch rechtzeitig im Jubiläumsjahr 2012 fertig geworden ist der HKA-Band VI.1 „Mein Leben und Streben“, der Ende Oktober ausgeliefert werden konnte. Gelegentlich wird zu diesem Band gefragt, warum Mays Selbstbiografie nicht mit dem Anmerkungsapparat ausgestattet wurde, der seinerzeit dem Reprint des Olms-Verlags beigegeben war, zumal ja mit Hainer Plaul derselbe Bandbearbeiter tätig gewesen sei. Dazu gibt es eine zweifache Antwort. Zum einen liegt das Urheberrecht beim Olms-Verlag, und eine Übernahme des Erläuterungsteils in die HKA-Ausgabe wäre nicht ohne Probleme, wenn überhaupt möglich gewesen. Darüber hinaus war es auch eine Grundsatzentscheidung der Erstherausgeber der HKA, diese nicht mit Stellenkommentaren auszustatten, die wir nicht für diesen einen Band außer Kraft setzen wollten.
     Diese Hinweise geben mir Gelegenheit, einmal grundsätzlich etwas zur Nichtaufnahme von Stellenkommentaren zu sagen, da diese für eine historisch-kritische Ausgabe zwar nicht zwingend notwendig, aber doch durchaus üblich sind. Ich meine, im Falle der HKA von Karl Mays Werken kann man gute Gründe anführen, sie nicht zu berücksichtigen. Karl Mays Werk ist so umfang- und bezügereich, dass die Ausarbeitung der notwendigen Stellenkommentare die Herausgabe vieler Bände ganz erheblich verzögert und zudem bei vielen Bänden zur Aufsplittung in zwei Bände – einen Textteil und einen Teil mit dem dann sehr umfangreichen Editionsbericht – geführt hätte. Man bedenke nur einmal, dass allein das zurzeit vorbereitete Geographielexikon zu Mays Werken fünf dicke Bände umfassen wird. Hinzu kommt, dass die Arbeit der Stellenkommentierung weitgehend durch die forschenden Mitglieder der Karl-May-Gesellschaft geleistet wird und die bisherigen Ergebnisse in deren Publikationen nachzulesen sind und auch in Zukunft noch vielfältig zu Veröffentlichung kommen werden. Damit ist im Falle Karl Mays eine Situation gegeben, die einen Verzicht auf die Einbeziehung von Stellenkommentierungen in die Editorischen Berichte der HKA vertretbar macht.
     Das Hauptanliegen, das wir mit der HKA verfolgen, ist darüber hinaus dasselbe geblieben, das schon Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger ins Auge gefasst hatten: Eine nach wissenschaftlichen Standards erarbeitete, verlässliche und authentische Textfassung der Werke Karl Mays vorzulegen und die Textgenese akribisch nachzuzeichnen und damit für alle Forscher nachvollziehbar zu dokumentieren. Das war der Schwerpunkt der HKA-Arbeit und soll es auch in Zukunft bleiben.
Auf der HKA-Sitzung im Rahmen der Mitarbeitertagung der KMG in Gotha haben wir einige Beschlüsse hinsichtlich der nächsten HKA-Ausgaben gefällt. So sollen die beiden Bände „Winnetou I“ und „Winnetou III“ auf jeden Fall gemeinsam erscheinen. Das wird nach jetzigem Stand voraussichtlich im Frühjahr 2013 der Fall sein. Danach ist der Band I.1 der HKA geplant, den Frank Werder als Bandbearbeiter vorbereitet. Diesem Band haben wir einen anderen als den bisher geplanten Titel gegeben. Statt „Hinter den Mauern“ wird er nunmehr „Geographische Predigten“ heißen, nach dem darin enthaltenen Text, den Karl May ja immer als die Basis seiner sämtlichen Werke bezeichnet hat.
     Der Hintergrund dieser Umbenennung ist folgender. Erstmals haben wir in den letzten Monaten eine vorläufige Zusammenstellung erarbeitet, welche Schriften Karl Mays in der Abteilung VII (Vermischte und nachgelassene Schriften) Aufnahme finden sollen. Und dabei stellte es sich heraus, dass es wenig Sinn macht, eine Reihe der frühesten unter den nachgelassenen Schriften in den Band I.1 aufzunehmen; vielmehr ist es angebracht, alle nie zu Mays Lebzeiten veröffentlichten Schriften und Fragmente, zu denen u. a. auch das Fragment „Hinter den Mauern“ gehört, in der Abteilung VII zusammenzuführen. Und nach einem darin nun nicht mehr enthaltenen Text können wir den Band I.1 ja wohl nicht benennen.
     Des Weiteren sind als nächstfolgende Bände geplant: „Im Lande des Mahdi I“, „Abdahn Effendi“ und „Winnetou II“. Doch damit sind wir dann mit unseren Planungen bereits mit Sicherheit im Jahr 2014 oder auch schon 2015 angelangt, da es uns auch weiterhin kaum möglich sein wird, mehr als zwei, drei Bände pro Jahr herauszubringen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (18/September 2012)

Für Mitte 2012 hatte ich das Erscheinen des HKA-Bandes Mein Leben und Streben angekündigt – dieser Termin hat sich nicht ganz einhalten lassen, da es bei der Abfassung einiger editorischer Berichte zu den in diesem Band vereinigten Texten kleinere Verzögerungen ergeben haben. Nun, Anfang September, sind wir aber so weit, dass der Band einschließlich des editorischen Berichts komplett gesetzt und in Druck gegangen ist. Wenn Bindung und Versand dann einigermaßen schnell vonstattengehen, kann der Band dann schließlich doch im Herbst des laufenden Jahres in den Händen der Abonnenten sein.
     Der Titel, den wir diesem Band gegeben haben, lautet vollständig „Mein Leben und Streben und andere Selbstdarstellungen von Karl May“. Damit ist auch der Inhalt ziemlich genau umrissen: Neben der Autobiographie Mays sind darin sämtliche zu Lebzeiten Mays wenigstens in einer Fassung veröffentlichten Texte vereinigt, die im Grundsatz als Selbstdarstellungen konzipiert wurden. Wir haben dabei den Band in drei Abteilungen eingeteilt: Die erste besteht aus der Selbstbiographie Mays, die zweite aus weiteren kleineren Selbstdarstellungen in Form von biographischen Texten oder Postkartenserien von der Orientreise und die dritte aus von May selbst formulierten biographischen Skizzen für diverse Nachschlagewerke.
     Die Entscheidung, was genau als Selbstdarstellung Mays zu gelten hat, war nicht ganz unproblematisch, hat May doch nahezu alle nichtliterarischen Schriften seines letzten Lebensjahrzehnts zumindest auch, wenn nicht sogar wesentlich als Verteidigungs- und Prozess-Schriften konzipiert. Schon Mein Leben und Streben macht die Problematik deutlich: Mays eigene Erklärungen dazu schwanken zwischen der Absicht einer ehrlichen Lebensbeichte und dem ausschließlichen Zweck, in der gerichtlichen Auseinandersetzung mit Lebius von Nutzen zu sein. Aber wir mussten diese Unterscheidung treffen zu den folgenden Bändern der HKA-Abteilung VI, die den eigentlichen Prozess-Schriften Mays gewidmet sind.
     Auch in anderer Hinsicht mussten wir eine Zäsur setzen, die nicht ohne Problematik ist: In den vorliegenden Band VI.1 haben wir nur solche Texte aufgenommen, die bereits in mindestens einer Fassung zu Mays Lebzeiten veröffentlicht wurden. Das gilt auch für die darin enthaltenen Reisebriefe in Ansichtskarten, deren Text von Zeitungen abgedruckt wurden: der Pfälzer Zeitung, dem Prager Tagblatt und der Tremonia (Dortmund). Andere solche Reisebriefe mit ganz ähnlichen Inhalten, die an Privatpersonen gingen, wurden bisher nicht veröffentlicht und finden im Rahmen der HKA somit Aufnahme in der Abteilung VIII (Briefe). Aber auch diese Entscheidung ist sicherlich vertretbar.
     Was die in diesem HKA-Band abgedruckten Textfassungen angeht, so haben wir uns stets für diejenige entschieden, die der von May beabsichtigten Textfassung am nächsten kommt. Das bedeutete in diesem Fall fast immer, auf die früheste verfügbare Fassung zurückzugreifen. Lediglich im Fall von Meine Beichte und Mein Glaubensbekenntnis gibt es bekanntlich eine von May selbst konzipierte spätere Fassung, die dann als Fassung letzter Hand abgedruckt wird. Für die Reisebriefe andererseits bedeutet dies, dass, wenn möglich, die Manuskript-, d. h. die Postkartenfassung als Grundlage gewählt wurde. Für den Reisebrief an das Prager Tagblatt ist diese Manuskriptfassung ja bereits bekannt, doch können wir nun auch den Tremonia-Reisebrief in der Fassung des Manuskripts erstmals veröffentlichen, da diese Postkartenserie sich im Archiv der Bamberger Verlegerfamilie Schmid erhalten hat.
     Für die Einträge zu May in diversen Literaturkalendern, etwa dem bekannten von Joseph Kürschner herausgegebenen Kalender, hätte ein Abdruck nur des ersten oder letzten Eintrags zu Mays Lebzeiten wenig Sinn ergeben, da die darin enthaltenen Angaben ja fortlaufend aktualisiert wurden. Hier haben wir uns abweichend von der sonstigen Praxis in der HKA entschieden, jeweils sämtliche Einträge im Textteil abzudrucken, um auch die Entwicklung des jeweiligen Textes im Laufe der Jahre nachvollziehbar zu dokumentieren.
     Die Bearbeitung der nach Mein Leben und Streben vorgesehenen HKA-Bände Winnetou I und Winnetou III habe ich mittlerweile abgeschlossen. Zur Zeit ist der Herausgeber Ulrich Scheinhammer-Schmid dabei, sie durchzuarbeiten. Auch für die danach geplanten Bände sind eine Reihe von Bearbeitern bei der editorischen Arbeit. Bei der HKA-Arbeitstagung Ende September werden wir beratschlagen, in welcher Reihenfolge die Bände erscheinen sollen, so dass ich im Dezember an dieser Stelle wohl Genaueres dazu sagen kann. Es sind darunter neben Winnetou II u. a. der Spätwerkband Abdahn Effendi, der erste Band der Mahdi-Trilogie sowie der Band I.1 der HKA, der u. a. die Geographischen Predigten sowie die weiteren bekannten Frühveröffentlichungen Mays enthalten soll.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (17/Juni 2012)

Diesen Bericht zum Stand der Arbeit an der HKA kann ich mit einigen erfreulichen Nachrichten zur Ausstattung der Bände beginnen. Alle Abonnenten und Käufer, die sich entschieden hatten, den mit einem falschen Leinen ausgestatteten Band Im »wilden Westen« Nordamerika’s zur Neubindung mit dem ›richtigen‹ grünen Leinen zurückzusenden, ist der Band Ende April in neuer Ausstattung zugegangen. Auch alle Lagerbestände des Bandes wurden umgebunden, sodass auch zukünftige Käufer diesen Band in der vorgesehenen Ausstattung erwerben können. Vielleicht werden ja die mit dem Ersteinband ausgestatteten Bände zukünftig zu begehrten Sammlerstücken …
     Des Weiteren kann ich die erfreuliche Meldung hier weitergeben, dass sich die Karl-May-Stiftung entschieden hat, auch die Lagerbestände des Bandes I.4 Der beiden Quitzows letzte Fahrten unter Verwendung des braunen Leinens der Abteilung I, wie wir es für den Band I.3   Die Fastnachtsnarren erstmals benutzt haben, neu aufbinden zu lassen. Der frühere Herausgeber und Verleger Hermann Wiedenroth hatte diesen Band bekanntlich in Abweichung von der ursprünglichen Planung im Schwarzblau der Abteilung II binden lassen. Die Entscheidung der Karl-May-Stiftung geschah im Interesse all derjenigen, die Wert auf ein harmonisches, einheitliches Erscheinungsbild der HKA-Bände legen. Die neu aufgebundenen Bände des Quitzow-Romans sind seit Mai im Angebot des Karl-May-Museums und sind dank des Entgegenkommens der Karl-May-Stiftung trotz der entstandenen Mehrkosten unverändert zum Preis von 39,90 € zu beziehen.
     Schließlich haben wir mittlerweile auch das blaue Leinen ausgesucht, mit dem die Bände der Abteilung VI gebunden werden sollen. Als erster Band in dieser Ausstattung wird unserer Planung nach der Band VI.1 Mein Leben und Streben etwa Mitte 2012 erscheinen.
     Gegen Ende des Jahres sind dann, wie bereits mehrfach angekündigt, die Bände Winnetou I und Winnetou III vorgesehen. Gelegentlich werde ich gefragt, warum wir gerade diese Zusammenstellung unter Auslassung von Band II gewählt hätten. Nun, seinerzeit erschienen als zwei der wenigen im Haffmans- Verlag herausgegebenen Bände der HKA die Bände I und II, während Band III, für den auch der editorische Bericht vorgesehen war, unter der alten Herausgeberschaft nie fertig wurde. Die KMG als neuer Herausgeber hat sich entschieden, den editorischen Bericht der Trilogie – wie auch aller weiteren mehrbändigen Werke innerhalb der HKA – auf die jeweiligen Teilbände aufzuteilen. Da der Variantenapparat der Bände II und III aufgrund von deren komplizierter Textgeschichte sehr komplex und umfangreich werden wird, wird Band I neben dem zugehörigen wesentlich knapperen Variantenapparat auch die gesamte Entstehungsgeschichte der Winnetou-Trilogie enthalten. Mit der gleichzeitigen Herausgabe von Band I und Band III wollen wir den HKA-Interessenten somit einerseits den bisher fehlenden HKA-Text von Winnetou III und andererseits den entstehungsgeschichtlichen Teil des editorischen Berichts der Trilogie im Band Winnetou I gleichzeitig zur Verfügung stellen. Winnetou II, der dann noch fehlende Teil der Trilogie, wird danach in nicht großem zeitlichen Abstand folgen.
     Aus der editorischen Arbeit an Winnetou III möchte ich hier einmal über einen Detailaspekt berichten, um Ihnen wieder einmal Einblick in diese Tätigkeit zu geben.
     Karl May hat ja bekanntlich kurz nach der Jahrhundertwende das Nachwort dieses Bandes ausgetauscht. Ab der 8. Auflage, dem 41.-45. Tausend, enthält er das zweite, ganz im Zeichen seiner Spätwerk-Philosophie stehende Nachwort. Es ist, wie die Textdurchsicht ergeben hat, im Gegensatz zum Rest des Textes bereits in den grünen Bänden der Fehsenfeld-Reihe in der seit 1903 geltenden neuen Rechtschreibung gesetzt, während May in seinem zugehörigen Manuskript, das sich in diesem Fall erhalten hat, weiterhin konsequent die Rechtschreibung aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, wie er sie in Schule und Seminar erlernt hatte, beibehielt. Erst beim Neusatz des Bandes für die blau-illustrierte Reihe Fehsenfelds wurde auch der Rest des Textes an die Regeln der neuen Rechtschreibung angepasst.
     Bezüglich des Austauschs des Nachworts von Winnetou III bitte ich in einem Punkt nun auch wieder um Ihre Mithilfe, liebe HKA-Interessierte. Die 7. Auflage des Bandes, das 36.-40. Tausend, müsste logischerweise noch das erste Nachwort enthalten. Es gibt aber zumindest eine Reihe von Exemplaren dieser Auflage, die gar kein Nachwort enthalten. Hierzu möchte ich möglichst viele Informationen zusammentragen. Wer von Ihnen eine solche 7. Auflage besitzt, möge doch bitte nachschauen, ob sie mit oder ohne Nachwort gedruckt wurde, ob es gar Exemplare gibt, die bereits das zweite Nachwort enthalten, und ob sich irgendwelche Hinweise in dem jeweiligen Exemplar ergeben, die Aufschluss über den Zeitpunkt der Weglassung des Nachworts zulassen. Über die Mitteilung ihrer so gewonnen Erkenntnisse wäre ich sehr dankbar. Laut Hainer Plauls Bibliographie ist die 7. Auflage Anfang Juli 1902 erschienen, die 8. Auflage im Laufe des Jahres 1904.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (16/März 2012)

Diesen Bericht zum Stand unserer Arbeit an der Historisch-kritischen Ausgabe muss ich leider mit einer traurigen Nachricht beginnen. Wir hatten für 2012 u. a. den Band Orangen und Datteln angekündigt, bearbeitet von unserem Schweizer Mitarbeiter Dr. Jürgen Hahn. Nun ist Jürgen Hahn im Januar 2012 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Bis zuletzt war er bestrebt, trotz seiner Erkrankung den von ihm betreuten Band noch fertigzustellen. Das ist ihm nicht mehr vergönnt gewesen.
     Das Erscheinen von Orangen und Datteln wird sich also nunmehr um einige Zeit verschieben. Wir müssen erst sichten, wie weit Jürgen Hahn mit seiner Arbeit vorangeschritten war, und dann einen neuen Bearbeiter finden, der das Begonnene zum guten Ende bringt. Unter diesen Umständen wird ein Erscheinen noch im Jahr 2012 kaum noch zu realisieren sein.
     Im Dezember 2012 wurde Band IV.27 der HKA Im »wilden Westen« Nordamerika’s an die Abonnenten ausgeliefert. Sie haben vielleicht die sich daran anschließende Diskussion mitbekommen: Der Band war leider nicht mit dem von uns ausgesuchten Leinen ausgestattet worden, was alle Beteiligten sehr bedauern. Nach kurzer Abstimmung zwischen den verantwortlichen Vertretern von Karl-May-Gesellschaft, Karl-May-Verlag und Karl-May-Stiftung haben wir uns deshalb entschlossen, den ausgelieferten Band auf Wunsch zurückzunehmen und mit dem eigentlich vorgesehenen Leinen neu aufbinden zu lassen. Die Rückgabeaktion ist für die Abonnenten mittlerweile beendet, und die neu gebundenen Bände sollen im April 2012 ausgeliefert werden. Mit der Rückgabeaktion wollen wir dem Anliegen auch derjenigen Abonnenten und Käufer der HKA Rechnung tragen, denen auch die optische und haptische Qualität der Bände wichtig ist.
     Auch die noch am Lager befindlichen Bände werden neu aufgebunden. Wer den Band also noch käuflich erwerben will, kann ihn im Augenblick zwar beim Karl-May-Museum bestellen, muss dann aber ebenfalls bis zur Auslieferung im April warten.
Wenn ich diesen Informationen noch eine Bemerkung als geschäftsführender Herausgeber der HKA und Verantwortlicher für die inhaltliche Qualität der editorischen Arbeit anfügen darf: Es hat mich bei aller Berechtigung der Kritik an der fehlerhaften Ausstattung von Band IV.27 doch ein wenig geschmerzt, dass die Leistung von Bearbeiter und Herausgeber einigen der Beteiligten an der Diskussion teilweise keinen einzigen Satz wert war. Denn das ist doch das eigentliche Anliegen der Herausgeberschaft durch die KMG, dass die Werke Karl Mays mit dieser Edition in einer verlässlichen, authentischen und für die Zukunft in allen Textfragen maßgeblichen Ausgabe vorliegen mögen. Umso mehr danke ich denjenigen, die mir in persönlichen Mitteilungen und E-Mails in Reaktion auf die Diskussion ihre Wertschätzung für unsere Arbeit ausgedrückt haben. Auch ich danke Frank Werder und Ulf Debelius für die ganz hervorragende Qualität der Edition von Band IV.27.
     Zugleich möchte ich vor einer Erwartung an die neu aufgebundenen Bände warnen, dass nämlich das für sie verwendete Leinen identisch sei mit demjenigen, das Wiedenroth und Wollschläger vor 23 Jahren für die zuletzt herausgegebenen grünen Bände innerhalb der HKA verwendet haben. Ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, dass das seinerzeit verwendete Leinen nicht mehr erhältlich ist und das unter der damaligen Bestellnummer heute produzierte Leinen im Farbton davon abweicht, weil die chemische Zusammensetzung bei der Erzeugung der Farbe sich geändert hat. Es bleibt dabei, dass das nunmehr zur Verwendung kommende Leinen erkennbar vom früher verwendeten abweichen wird, wenn es mit ihm auch zumindest in der Leinenstruktur übereinstimmt.
     Weiterhin guter Hoffnung bin ich, dass der als nächstes geplante HKA-Band VI.1 Mein Leben und Streben rechtzeitig im ersten Halbjahrs 2012 herauskommen kann. Der Herausgeber Dr. Johannes Zeilinger ist zur Zeit dabei, in enger Zusammenarbeit mit den drei Bearbeitern die endgültige Gestalt des Textkorpus und des Editorischen Berichts zu klären.
     Wir haben uns zudem entschieden, von den Plänen der ursprünglichen Herausgeber abzuweichen, sämtliche Bände der Abteilungen VI–IX mit dem gleichen grauen Leinen auszustatten, das etwa bereits bei den beiden Bänden des Leseralbums (VIII.1–2) Verwendung fand. Wir halten die lange Reihe grauer Bände, die sich dann ergeben würde, für zu trist und eintönig. Deshalb sollen die Abteilungen VI und VII eine andere Leinenfarbe erhalten, die Abteilung VI voraussichtlich ein kräftiges Blau.
     Weiterhin suchen wir noch für die Editionsarbeit ein Exemplar der letzten Fehsenfeld-Auflage von Durch die Wüste, des 71.–73. Tausends. Überhaupt bitten wir speziell für die ersten sechs Fehsenfeldbände darum, uns weitere Exemplare verschiedener Auflagen zur Verfügung zu stellen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (15/5. Dezember 2011)

Leider wurde unsere Hoffnung, den Band IV.27 der HKA „Im ‚wilden Westen‘ Nordamerika’s“ noch im Oktober 2011 herauszubringen, nicht erfüllt. Die Arbeit am editorischen Bericht des Bandes zog sich doch länger hin als erwartet. Ende Oktober jedoch ist der Bericht endlich fertig geworden, und so konnten die Arbeiten zur Produktion des Bandes anlaufen. Wenn nichts Unvorhergesehenes mehr dazwischen kommt, müsste der Band also zu Weihnachten in den Händen der Abonnenten sein. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, dass die Editionsarbeit an der HKA vollständig ehrenamtlich erfolgt. Alle Beteiligten geben sich die größte Mühe, die vorgesehenen Termine einzuhalten, doch gelingt das aus verschiedenen Gründen nicht immer. Gelegentlich wird auch Kritik geäußert, die Veröffentlichung der Bände ginge zu langsam voran. Man sollte dabei allerdings zu Kenntnis nehmen, dass vor Übernahme der Herausgeberschaft durch die KMG die Reihe jahrelang völlig am Boden lag. Unser Ziel ist es im Augenblick, jährlich ein bis zwei Bände herauszubringen, vielleicht auch einmal drei, wie wir es im Karl-May-Jubiläumsjahr anstreben. Hinzu kommt, dass die Karl-May-Stiftung, die die Finanzierung der HKA stemmen muss, auch immer ein Wörtchen mitzureden hat. Und ihre finanzielle Planung ist wesentlich von der Zahl der festen Abonnenten abhängig – je mehr Interessierte sich entscheiden, die HKA zu abonnieren, auf desto sichereren Füßen steht die Produktion der Reihe.
     Vielleicht sollte auch noch einmal ein Wort zum Inhalt des jetzt vor der Veröffentlichung stehenden Bandes gesagt werden. Der Band IV.27 war in der ursprünglichen Planung der HKA, wie sie Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger aufgestellt hatten, ebenso wie der Folgeband IV.28 nicht vorgesehen. Die neue Herausgeberschaft sah es aber als notwendig an, auch die Früh- bzw. Erstfassungen solcher Erzählungen, die später von May nur in überarbeitetet Form in die „Gesammelten Reiseerzählungen“ übernommen wurden, im Rahmen der HKA im Originaltext zu präsentieren, zumindest dann, wenn die späteren Fassungen deutlich in Textfassung oder Erzählkonzeption von den Erstfassungen abweichen. Das führte zur Aufnahme von Band IV.27 in die HKA, der die Erstfassungen der im Wilden Westen spielenden Erzählungen der mittleren Schaffensperiode Karl Mays enthalten wird, sofern sie nicht mehr oder weniger unverändert in die Fehsenfeld-Reihe aufgenommen wurden. Dazu gehört zum einen die titelgebende Erzählung „Im ‚wilden Westen‘ Nordamerika’s“, zum anderen „Der Scout“, die beide in veränderter Form später in die „Winnetou“-Trilogie integriert wurden. Auch eine Reihe der in „Old Surehand I“ und Old Surehand II“ eingegangenen Geschichten finden sich in diesem Band, teilweise mit den ursprünglich dazugehörigen Abbildungen, sofern diese der Anlass für May waren, sie überhaupt zu konzipieren.
     Von den in die „Winnetou“-Trilogie eingegangenen Erzählungen –„Old Firehand“ als Frühwerk wird in der Abteilung I der HKA abgedruckt werden – wird dann nur „Deadly dust“ nicht als eigenständiger Text innerhalb der HKA zu finden sein. Das ist eine durchaus diskutable Entscheidung HKA-Beteiligten, doch ist sie zu vertreten, da dieser Text bei der Aufnahme in „Winnetou III“ keine grundsätzliche Neukonzeption erfuhr, sondern nicht mehr zum Stand der „Winnetou“-Trilogie passende Abschnitte von May einfach eliminiert wurden. Andere kleinere Textänderungen sind gut im Rahmen des editorischen Berichts zu „Winnetou III“ zu dokumentieren.
     Noch eine weitere kleine Neuerung führen wir mit Band IV.27 der HKA ein: Wiederholt ist beklagt worden, dass bei den ersten HKA-Bänden, die eine Vielzahl von Einzeltexten Karl Mays enthalten, das Inhaltsverzeichnis keine Hinweise auf die Seiten enthalte, auf denen die editorischen Berichte zu den einzelnen Texten jeweils beginnen. Dem wollen wir beginnend mit diesem Band Rechnung tragen. So wird in solchen Sammelbänden in Zukunft dem editorischen Bericht selbst noch einmal ein kleines Inhaltsverzeichnis vorangestellt werden, das es dem Benutzer erleichtert, den editorischen Bericht zu einem bestimmten May-Text ohne lästiges Durchblättern des gesamten Berichtsteils zu finden.
     Die Vorarbeiten zu Band VI.I „Mein Leben und Streben“, dessen Inhalt ich in meinem letzten Bericht bereits vorgestellt habe, sind weiterhin auf gutem Wege, sodass ich zuversichtlich bin, den Band in der ersten Hälfte 2012 herausbringen zu können.
     Es hat in der letzten Zeit einige Diskussionen über die Zuverlässigkeit der Textfassungen auf der seinerzeit noch von Hermann Wiedenroth herausgebrachten CD-Rom „Karl Mays Werke“ gegeben. Dazu möchte ich einige klärende Worte sagen.
Zunächst einmal liegt die Produktion der CD-Rom weit vor der HKA-Herausgeberschaft der Karl-May-Gesellschaft, sodass wir für den Inhalt keinerlei Verantwortung übernehmen können. Allerdings machen wir durchaus ertragreichen Gebrauch von der CD-Rom, bilden die auf ihr verfügbaren Texte doch die Grundlage für unsere Arbeit an der HKA. Dies gilt jedoch nur mit der Einschränkung, dass wir alle Texte, die wir in die gedruckte Fassung der HKA übernehmen wollen, einem gründlichen Wort-für-Wort-Vergleich mit den Originaltexten unterziehen müssen.
     Denn es hat sich bei der Arbeit mit der CD-Rom herausgestellt, dass ihr Textkorpus für die Zwecke der HKA nicht absolut verlässlich ist. Das heißt nicht, dass man mit den Texten nicht arbeiten kann; die festzustellenden Fehler sind nicht gravierender Art, sondern es handelt sich meist eher um Kleinigkeiten. Das hat seine Ursache sicherlich in den Entstehungsbedingungen der CD-Rom: Die bei ihrer Produktion bereits im Rahmen der HKA vorliegenden Texte sind dabei als genauso zuverlässig anzusehen, wie die vorliegende gedruckte Fassung, die ja auch ihre Grundlage war. Die anderen Texte jedoch, die zum Teil dann auch den diversen Parallel-Ausgaben der HKA, etwa der sogenannten Zürcher Ausgabe oder den Haffmans-Taschenbüchern, zugrunde lagen, waren noch nicht in dem Maße kritische durchgesehen, wie wir dies für die HKA garantieren möchten. Zum größeren Teil wurden sie einfach aus den May-Originaltexten eingescannt bzw. abgetippt, mit all den Fehlern, die sich dabei ergeben können. Die Seitenangaben zu diesen Texten, die man auf der CD-Rom findet, beziehen sich ja dann auch jeweils auf das zugrundeliegende Original.
     Wer auch immer also die CD-Rom zur Arbeit benutzt, sollte diese Entstehungsbedingungen kennen. Sie ist eine gute und vielfach willkommene Arbeitsgrundlage, bedarf bei der Arbeit damit aber immer einer Kontrolle anhand des Originals, eines Reprints oder, soweit vorliegend, des gedruckten HKA-Textes.
     Damit zurück zur Druckfassung der HKA. Wieder möchte ich meinen Bericht abschließen mit zwei Suchmeldungen für Auflagen, die wir für verschiedene Variantenapparate noch benötigen: Weiterhin fehlt uns ein Exemplar der letzten Fehsenfeld-Auflage von „Durch die Wüste“, des 71.–73. Tausends. Auch von „Durch das Land der Skipetaren“ suchen wir noch die letzte Freiburger Auflage, nämlich das 46.–50. Tausend.

Joachim Biermann
 


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (14/September 2011)

Nicht immer gibt es alle drei Monate grundsätzlich Neues zum Fortgang der HKA zu berichten. So ist es auch zurzeit: Die Fertigstellung des nächsten Bandes „Im ‚wilden Westen‘ Nordamerika’s“ schreitet fort, wird aber noch ein wenig dauern, da am Editorischen Bericht noch gefeilt wird. Ich bin aber zuversichtlich, dass dieser Sammelband mit frühen Amerikaerzählungen Karl Mays zum Kongress der Karl-May-Gesellschaft in Wolfenbüttel vorliegen wird. Wie immer, so ist es uns wichtiger, dass alle Fakten sorgfältig abgeklärt werden und am Ende wirklich stimmen, als uns unter Termindruck setzen zu lassen.
     Mit einem Problem sind wir allerdings bei der Herstellung dieses Bandes konfrontiert, das wir nicht optimal werden lösen können: Er gehört zur Abteilung IV der HKA (Reiseerzählungen), deren bisher letzter Band „Durch das Land der Skipetaren“ 1988 in der Ära Wiedenroth/Wollschläger produziert wurde, also vor nunmehr 23 Jahren. Das seinerzeit verwendete grüne Leinen für den Buchrücken gibt es zwar beim Lieferanten noch, doch haben sich die chemische Zusammensetzung und der Herstellungsprozess von Farbe und Leinen seitdem so stark verändert, dass die Farbe mit derjenigen von 1988 nicht mehr übereinstimmt, zu unserem Leidwesen sogar so deutlich davon abweicht, dass wir sie nicht guten Gewissens für den neuen Band verwenden können.
     Wir sind zurzeit dabei, farbliche Alternativen zu sichten, können aber jetzt bereits sagen, dass es kein mit der damals verwendeten Farbe identisches Grün mehr gibt. Dieser wie alle weiteren Bände der Abteilung IV werden sich also farblich von den früheren abheben. Wir werden uns aber zumindest bemühen, ein möglichst ähnliches Grün zu finden.
     Zum Karl-May-Jubiläumsjahr 2012 planen wir sodann, wie bereits angekündigt, den ersten Band der Abteilung VI (Autobiographische Schriften), nämlich „Mein Leben und Streben“. Nicht nur Mays Selbstbiographie, editorisch betreut von Hainer Plaul, wird darin enthalten sein, sondern auch alle weitere kleinen Texte Mays, die man im engeren Sinne autobiographisch nennen kann, sowie sämtliche Einträge und biographischen Skizzen in Personenlexika, die von May stammen oder zumindest auf ihn zurückgehen. Das sind sowohl die lexikonartig gestalteten Einträge in Schriftstellerlexika wie dem bekannten „Kürschner“ („Deutscher Litteratur-Kalender“) als auch etwas umfangreichere Texte wie etwa diejenigen in den Nachschlagewerken „Sachsens Gelehrte, Künstler und Schriftsteller“ und „Bildende Geister“, in denen May in der Lage war, seine schriftstellerischen Grundsätze zumindest in knapper Form darzulegen.
     Wollen wir hoffen, dass wenigstens das graue Leinen, das ja den Rücken aller Bände der Abteilungen VI–IX zieren soll, noch in der exakten Färbung der bereits erschienen Bände erhältlich sein wird.

Joachim Biermann

Nachtrag. Das Erscheinen des Bandes IV.27 „Im ‚wilden Westen‘ Nordamerika’s“ wird sich voraussichtlich über den oben genannten Zeitpunkt hinaus etwas verzögern. JB.


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (12/ Juni 2011)

Da sich gegenüber meinem letzten Bericht keine grundlegenden Dinge getan haben, kann ich mich diesmal ein wenig kürzer fassen.
     Anlässlich der Vorstands- und Mitarbeitertagung in diesem Frühjahr haben Frank Werder, Ulf Debelius und ich uns noch einmal zusammengesetzt und wesentliche Aspekte des Editorischen Berichts für den nächsten HKA-Band IV.27 „Im ‚wilden Westen‘ Nordamerika’s“ diskutiert und entschieden.
     Mittlerweile sind die für diesen Band vorgesehenen May-Texte bereits beim KMV in Bamberg, wo der Textteil nun gesetzt wird. Wie bereits der HKA-Band III.7 „Der schwarze Mustang“, enthält auch dieser Band wieder drei Abbildungen, zu denen May jeweils eine der abgedruckten Erzählungen verfasst hat: „Im Mistake-Cannon“, „Am Kai-p’a“ und „Die Rache des Mormonen“.
     Wie bei jedem HKA-Band wird es dann weitergehen: Liegt der Textteil eines Bandes im Satz der HKA vor, machen sich Bearbeiter und Herausgeber des Bandes daran, alle Stellenangaben des Editorischen Berichts zu aktualisieren. Dann kann in einem zweiten Schritt auch der Editorische Bericht gesetzt werden. Liegt dann der gesamte Satz vor, geht er – nach Freigabe durch Bandbearbeiter und Herausgeber – in Druck, und auch der Einband wird entsprechend vorbereitet. Für den jetzt in Arbeit befindlichen Band heißt dies, dass er voraussichtlich Mitte des Jahres fertig produziert sein wird.
     Anschließend planen wir – hoffentlich rechtzeitig zum Karl-May-Jahr 2012 –, die Herausgabe des Bandes VI.1 „Mein Leben und Streben“, der neben Mays Selbstbiographie auch alle weiteren in engerem Sine autobiografischen Texte des Autors enthalten wird.
     Wir sind übrigens weiterhin auf der Suche nach der letzten Freiburger Auflage, dem 71.–73. Tausend, von „Durch die Wüste“, um die Vergleichslesung für den entsprechenden HKA-Band abrunden zu können.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (12/März 2011)

Intensiv arbeiten zur Zeit Bandbearbeiter Frank Werder und Herausgeber Ulf Debelius an dem als nächstem geplanten Band der HKA, Im „wilden Westen“ Nordamerika’s (Abteilung IV, Band 27), der als Sammelband eine Reihe von in Nordamerika spielenden Erzählungen Mays enthält. Zum einen sind dies Frühfassungen von Texten, die May später in seine Gesammelten Reisererzählungen aufgenommen und dabei nicht unerheblich verändert hat: Die titelgebende Erzählung Im „wilden Westen“ Nordamerika’s sowie Der Scout, die beide später in der Winnetou-Trilogie Aufnahme fanden, und die Kurzerzählungen Im Mistake-Cannon und Der erste Elk, die in die Surehand-Trilogie eingingen. Hinzu kommen vier weitere Erzählungen: Ein Oelbrand, Unter der Windhose, Am „Kai-p’a“ sowie Mutterliebe.
     Bei Im „wilden Westen“ Nordamerika’s ist es bisher nicht möglich gewesen, die vermutliche Erstveröffentlichung aufzuspüren, von der wir nur aus dem Briefwechsel Mays mit einem Verleger wissen und die nach Angaben Mays in einem Amberger Blatte erschienen sein soll. Wir nehmen dieses Defizit inkauf, um den Band überhaupt herausbringen zu können, da wir nicht annehmen, dass die Forschung den möglichen Erstdruck in nächster Zeit finden wird. Sollte aber ein Forscher oder Sammler uns noch Näheres dazu mitteilen können oder sogar diesen Abdruck in Händen haben, so bitten wir recht herzlich darum, Herausgeber oder Bandbearbeiter davon in Kenntnis zu setzen. Noch ist es nicht zu spät, diesen Text einzubeziehen.
     Von einem weiteren Abdruck dieser Erzählung in der Zeitschrift „Im Familienkreise“ ist bisher nur eine unvollständige Version bekannt. Auch hier unsere herzliche Bitte: Wer diesen Abdruck von Im „wilden Westen“ Nordamerika’s besitzt, möge ihn uns doch für die HKA zur Verfügung stellen.
     In meinem letzten Bericht habe ich erläutert, dass wir die Abteilung VI der HKA umgestellt und neu geordnet haben. Aus Anlass des Karl-May-Jubiläumsjahrs 2012 wollen wir versuchen, bis dahin den ersten Band dieser Abteilung, Mein Leben und Streben und andere autobiographische Schriften herauszubringen. Dies ist ein ehrgeiziges Ziel, doch habe ich die Hoffnung, dass es uns gelingen wird, den Band rechtzeitig fertigzustellen. Neben der von Hainer Plaul als Textbearbeiter betreuten Selbstbiographie Karl Mays wird der Band die weiteren im engeren Sinne als autobiographisch anzusehenden Texte enthalten, von den Freuden und Leiden eines Vielgelesenen bis hin zu diversen von May selbst verfassten Einträgen in literarischen Nachschlagewerken.
     Die historisch-kritische Ausgabe eines so umfangreichen Werkes wie desjenigen Karl Mays ist ein Langzeit-Unternehmen. Es birgt immer das Risiko in sich, dass über die Jahrzehnte das Interesse der Abonnenten erlahmt. Damit steht und fällt aber auch eine solche Reihe. Die Herausgabe der HKA hat sich zudem in der Vergangenheit, wie Sie wissen, zusätzlich aufgrund diverser unglücklicher Umstände erheblich verzögert. Deshalb möchte ich an alle Freunde Karl Mays und Interessenten an seinem Werk appellieren, die HKA zu abonnieren (sofern sie dies bisher noch nicht getan haben) und dadurch ihren Bestand auch langfristig zu sichern. Der Bandpreis von 39,90 € wird gelegentlich als ein Hindernis für ein solches Abonnement genannt. Angesicht der wirtschaftlichen Lage vieler ist dieser Einwand durchaus verständlich, doch bitte ich auch zu berücksichtigen, dass die Bände vergleichbarer Unternehmungen fast durchweg weit mehr als das Doppelte kosten. Wir können die Bände im Vergleich dazu so preiswert halten, weil die editorische Arbeit durch die Mitarbeiter der KMG unentgeltlich geleistet wird. Dafür gebührt allen Beteiligten unser großer Dank.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (11/Dezember 2010)

Der neueste Band der HKA, Die Fastnachtsnarren, ist mittlerweile ausgeliefert und dürfte sich in den Händen aller Abonnenten befinden. Mit dieser Sammlung früher May’scher Humoresken ist nunmehr der zweite Band der Abteilung I herausgekommen, und ich hoffe sehr, dass er eine positive Aufnahme findet.
     Das mit der Wahl der Rückenfarbe auftretende Problem, dass nunmehr Die Fastnachtsnarren einen braunen, Der beiden Quitzows letzte Fahrten aber einen dunkelblauen Rücken aufweist, habe ich bereits mehrfach angesprochen. Diesem Problem abzuhelfen könnte ein nachträglicher brauner Umschlag für den Quitzow-Band abhelfen, und mein Aufruf, dazu Stellung zu nehmen, hat mittlerweile eine ganze Reihe von Reaktionen gezeitigt, die sich zum größten Teil, wenn auch nicht ganz einmütig, für diese Lösung aussprechen. Mit dem Karl-May-Verlag und der Karl-May-Stiftung, die für die Realisierung dieser Lösung zuständig wären, werden wir also überlegen, ob ein solcher Umschlag auf rentable Weise herzustellen ist.
     Frank Werder, der Bandbearbeiter des als Nächstes geplanten HKA-Bandes, der Zusammenstellung kleinerer Reiseerzählungen unter dem Titel Im »Wilden Wesen« Nordamerika’s, dem 27. Band der Abteilung IV, hat mit seiner Arbeit mittlerweile gute Fortschritte gemacht. Gegen Ende des Jahres soll das Manuskript bereits vorliegen und wird dann von Bandherausgeber Ulf Debelius gegengelesen und im Dialog mit dem Bandbearbeiter weiterentwickelt.
     In der Planung der HKA bisher recht stiefmütterlich behandelt wurde die Abteilung VI – Autobiographische Schriften. Zwar sah der Editionsplan der ursprünglichen Herausgeber hier sechs bereits mit Titeln versehene Bände vor, doch gab es keinerlei Detailplanung, weder bezüglich der in die einzelnen Bände aufzunehmenden Texte Mays, noch bezüglich des jeweiligen Bandumfangs.
     Eine erste Berechnung der zu erwartenden Umfänge lässt es als nunmehr notwendig erscheinen, den Zuschnitt dieser Abteilung neu vorzunehmen: Mit einer Ausnahme wäre keiner der bisher projektierten Bände wesentlich über 350 Seiten hinausgekommen, drei Bände wären gar unter 300 Seiten geblieben. Dies scheint uns nicht machbar zu sein, und so haben wir erste Überlegungen angestellt, die Abteilung VI umzustellen. Die Zahl der Bände dieser Abteilung wird voraussichtlich auf drei bis vier schrumpfen. Und der nunmehr neu geplanten Band 1 „Mein Leben und Streben und andere autobiographische Schriften“, den wir als ersten daraus in Angriff nehmen wollen, wird nicht nur Mays Autobiographie, sondern auch alle weiteren im engeren Sinne autobiographischen Schriften Karl Mays aufnehmen.
     Meinem Aufruf, uns verschiedene Fehsenfeld-Auflagen der Reiseerzählungen für die editorische Arbeit zur Verfügung zu stellen, ist bereits eine erfreulich große Zahl von Sammlern gefolgt. Immer noch aber suchen wir einzelne Auflagen, im Augenblick insbesondere weiterhin die letzte Fehsenfeld-Auflage von Durch die Wüste, das 71.–73. Tausend. Meine Bitte bleibt also weiterhin bestehen, uns mit dieser und anderen Auflagen der grünen Bände weiterzuhelfen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (10/September 2010)

Die Veröffentlichung des nächsten HKA-Bandes steht nun unmittelbar bevor und soll, wenn alles wie vorgesehen klappt, noch im Herbst dieses Jahres erfolgen. Mit Die Fastnachtsnarren (KMW I.3), betreut von Ulf Debelius, wird damit nach Der beiden Quitzows letzte Fahrten der zweite Band der Abteilung I, das heißt aus dem May’schen Frühwerk, vorliegen. Liest man diese frühen Humoresken Karl Mays noch einmal im Zusammenhang, wie dies in diesem Band möglich ist, wird besonders deutlich, dass viele der skurrilen Gestalten, die der Autor für diese Erzählungen erfand, in den Beschreibungen, in ihren sprachlichen Eigenheiten und auch in ihrer Personencharakteristik Vorstudien waren für viele der lustigen Personen, die May dann in seinen klassischen Reiseerzählungen konzipierte, etwa den Hobble-Frank, den Dicken Jemmy und den langen Davy und manche andere.
     Wie an dieser Stelle bereits erläutert, kommen wir bei diesem Band auf den ursprünglich von Hans Wollschläger und Hermann Wiedenroth entwickelten Plan zurück, die Abteilung I mit braunem Rücken auszustatten, obwohl der Quitzow-Band seinerzeit abweichend davon mit dem schwarzblauen Rücken der Abteilung II versehen wurde. Es gibt nun bereits Vorschläge, für den Quitzow-Band einen Umschlag nachzuliefern, der mit einem identischen braunen Rücken ausgestattet ist, damit dann im Regal die Bände dieser Abteilung in einheitlicher Rückenfarbe nebeneinander stehen können. Diesen Umschlag anzufertigen verursacht natürlich gewisse Kosten, und so wäre ich daran interessiert, Ihre Meinung als Abonnenten der Reihe dazu zu hören. Denn wenn keinerlei oder nur wenig Interesse an einer solchen Zusatzleistung vorliegen sollte, müssen wir wohl oder übel darauf verzichten.
     Ich bin bereits darauf angesprochen worden, warum aus der Liste unserer Vorankündigungen der Band I.8 Aus der Mappe eines Vielgereisten verschwunden ist. Das hat seinen Grund darin, dass der vorgesehene Bandbearbeiter seine Mitarbeit aus persönlichen Gründen wieder abgesagt hat. Da wir alle ehrenamtlich arbeiten, ist dies leider etwas, was immer wieder einmal geschehen kann. So bin ich andererseits auch weiterhin sehr interessiert, Mitarbeiter zu gewinnen, die einzelne Bände oder May-Texte betreuen oder auch in der Lage sind, als Herausgeber eines Bandes zu fungieren.
     Diejenigen, die dazu bereits ihre Zusage gegeben haben und einen Band in Bearbeitung haben, möchte ich auch auf diesem Wege herzlich bitten, mir hin und wieder Nachricht vom Stand ihrer Arbeit zu geben. Ich bin naturgemäß vor allem mit denjenigen Bandbearbeitern und Herausgebern im intensiveren Kontakt, deren Bände als nächstes anstehen, hoffe aber, dass auch alle anderen an „ihren“ Bänden arbeiten.
Ein langwierigeres Projekt ist sicherlich der Abschluss des Orientzyklus in der HKA. Auch wenn jetzt für jeden der sechs Bände jeweils ein Mitarbeiter bei der Arbeit ist, sind die umfangreichen notwendigen Vergleichslesungen und die Erstellung der Variantenverzeichnisse vergleichsweise aufwendig. Insbesondere für den Orientzyklus fehlen uns auch noch einige der Auflagen der einzelnen Bände als Grundlage. Deshalb unternehme ich hier nochmals den Versuch, konkrete Auflagen zu nennen, die wir leihweise benötigen. Es sind dies für den Band Durch die Wüste das 16.–20., das 21.–25. , das 31.–35. , das 46.–50. und das 71.–73. Tausend der grünen Fehsenfeld-Reihe. Glückliche Besitzer solcher Ausgaben sind herzlich gebeten, sie uns vorübergehend zur Verfügung zu stellen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (9/Juni 2010)

Auf der Mitarbeitertagung der KMG im März dieses Jahres in Würzburg haben wir auch, wie an dieser Stelle angekündigt, über die Form gesprochen, in der der Orientzyklus im Rahmen der HKA vervollständigt werden soll. Dies ist, wie bereits mehrfach ausgeführt, eine sehr schwierige Entscheidung, mit der wir es auf keinen Fall allen recht machen konnten; sie ist nun im Sinne der von mir bereits angekündigten Lösung gefallen, wobei vor allem die kaufmännischen Überlegungen den Ausschlag gaben. Die ersten fünf Bände des Orientzyklus werden neu aufgelegt und sämtlich mit einen eigenen Editorischen Bericht, der Varianten und Bearbeiterkorrekturen enthält, versehen. Der Editorische Bericht mit der Entstehungsgeschichte des gesamten Zyklus wird dann dem neuen Band 6 beigegeben.
     Wir sind uns bewusst, dass wir damit nicht den Vorstellungen aller Altabonnenten der Reihe entsprechen und können sie nur um Verständnis für diese Entscheidung bitten. Wir werden auf jeden Fall auch nach Formen und Verfahren suchen, ihren Interessen so weit wie möglich entgegenzukommen. Dazu gehört, dass wir für die Neuauflagen der Bände 1–5 ein Subskriptionsverfahren durchführen und sie nicht einfach im Rahmen des Abonnements ausliefern werden.
     Verschiedene HKA-Mitarbeiter sind zurzeit bereits dabei, die Bände des Orientzyklus durchzusehen und die recht umfangreichen Variantenapparate zu erstellen. Für diese Arbeit heben uns bereits eine ganze Reihe von Sammlern verschiedene Bände der Fehsenfeld-Ausgabe leihweise zur Verfügung gestellt. Im Augenblick suchen wir noch nach einer offenbar recht seltenen Auflage, nämlich der letzten Ausgabe von Durch die Wüste bei Fehsenfeld, dem 71.–73. Tausend. Falls jemand von Ihnen im Besitz dieses Bandes ist, wären wir sehr dankbar, wenn Sie ihn uns vorübergehend zur Verfügung stellen könnten.
     Auch für die Winnetou-Trilogie wurde eine weitere Entscheidung zur Form der (Neu-)Veröffentlichung in der HKA gefällt. Die Bände 1 und 2 sind ja seinerzeit in der abweichenden Aufmachung im Haffmans-Verlag erschienen, während der dritte Band und der gesamte Editorische Bericht noch ausstehen. Der Editorische Bericht wird, ähnlich wie beim Orientzyklus, auf die drei Bände verteilt werden, wobei allerdings in diesem Fall Band 1 die Entstehungsgeschichte beinhalten wird. Wir sind jetzt übereingekommen, die Bände 1 und 3 gemeinsam herauszugeben, quasi als „Paket“, damit zum einen endlich der dritte noch fehlende Winnetou-Band innerhalb der HKA vorliegt und zugleich damit der Editorische Bericht für die gesamte Trilogie im Rahmen des Bandes Winnetou I präsentiert werden kann.
Im Augenblick laufen die herausgeberischen Arbeiten für den Band Die Fastnachtsnarren, der die frühen Humoresken Karl Mays einschließlich zweier nur fragmentarisch überlieferte Anfangspassagen enthalten wird. Wir sind zuversichtlich, diesen Band im 3. Quartal 2010 an die Abonnenten ausliefern zu können.
     Für eine Reihe von Vorschlägen und Anregungen, die mir zugegangen sind, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken. Manche Antwort werden Sie im Rahmen dieser Rubrik entdecken; das eine oder andere eignet sich aber auch nicht für eine an dieser Stelle gegebene Antwort. Wenn ich dann einmal vergessen sollte, ihnen direkt zu antworten, zögern Sie nicht, noch einmal nachzufragen. Meine Korrespondenz in Sachen HKA erstreckt sich allein bei den diversen Bandbearbeitern und Mitarbeitern auf mehr als zwanzig Personen, sodass das eine oder andere schon einmal aus den Augen gerät, wofür ich um Ihr Verständnis bitte.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (8/März 2010)

Dank intensiver Bemühungen von Karl-May-Verlag und Karl-May-Stiftung ist es gelungen, noch kurz vor Weihnachten 2009 den Band Der Sohn des Bärenjägers im Rahmen der HKA herauszubringen. Allen Beteiligten sei dafür herzlich gedankt. Die ersten Reaktionen zeigen, dass dieser vermutlich wohl umfänglichste Band der HKA positiv aufgenommen wurde.
     Unserem Aufruf, für die HKA-Arbeit diverse Auflagen der Fehsenfeld-Bände von Mays Gesammelten Reiseerzählungen zur Verfügung zu stellen, sind bisher bereits erfreulich viele gefolgt. Ich möchte aber noch weitere Sammler bitten, sich an dieser Aktion zu beteiligen, da wir für die HKA möglichst jede Auflage zumindest in Augenschein nehmen möchten und uns noch eine Reihe von Ausgaben fehlen.
     Auch in der Frage, in welcher Form wir den Orientzyklus vervollständigen, möchte ich mit Ihnen im Dialog bleiben. Einige Stimmen haben zu dieser schwierigen Frage haben mich bereits erreicht und waren erwartungsgemäß unterschiedlicher Auffassung. Beim nächsten Treffen der HKA-Beteiligten am Rande der Tagung des KMG-Mitarbeiterkreises im März 2010 in Würzburg wird auch diese Frage weiter diskutiert werden.
     Für 2010 steht nach unseren Planungen als nächstes der Band I.3 Die Fastnachtsnarren mit Mays frühen Humoresken an, der von Ulf Debelius bearbeitet wird. Nach Der beiden Quitzows letzte Fahrten wird dies dann der zweite Band der Abteilung I (Frühwerk) sein, den wir herausbringen. Wie bereits früher angekündigt, werden wir dafür auf die ursprünglichen Pläne zurückgreifen und diesen Band wie auch alle weiteren der Abteilung I mit braunem Rücken ausstatten.
     Welcher Band nach den Fastnachtsnarren erscheinen wird, steht noch nicht fest. Es sind vier Bände in Arbeit, deren Fertigstellung sich im Augenblick sämtlich für den gleichen Zeitraum – Ende 2010 – abzeichnet. So werden wir abwarten, welcher Band dann tatsächlich als erstes druckreif ist. Es handelt sich um die folgenden Bände: Im „wilden Westen“ Nordamerika’s (KMW IV.27), der die Amerika-Erzählungen Mays aus seiner mittleren Schaffensperiode vereint, die keine Aufnahme in die Gesammelten Reiseromane fanden, und von Frank Werder vorbereitet wird. Sodann Orangen und Datteln (KMW IV.25) mit dem Großteil von Mays Marienkalender-Erzählungen in der Form, wie er sie einst in den entsprechenden Fehsenfeld-Band aufgenommen hat; dieser Band wird von Jürgen Hahn bearbeitet. Des Weiteren bereitet Ekkehard Bartsch Mays Bearbeitung von Ferrys Der Waldläufer für die HKA vor (KMW I.9), und schließlich bin ich selbst dabei, die Winnetou-Trilogie einzurichten, deren erster Band wohl ebenfalls noch 2010 fertig werden wird.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (7/Dezember 2009)

Vonseiten der Herausgeber sind mittlerweile alle Arbeiten am nächsten HKA-Band Der Sohn des Bärenjägers abgeschlossen, und die Bemühungen von Karl-May-Verlag und Karl-May-Stiftung laufen intensiv, um diesen Band noch vor Weihnachten herauszubringen und den Abonnenten zukommen zu lassen.
     Der Sohn des Bärenjägers ist der letzte Band der Abteilung III – Erzählungen für die Jugend –, der erscheint. Aus diesem Grund geben wir diesem Band eine Errata-Liste zu den bisher publizierten Bänden dieser Abteilung bei. Als Band III.1 enthält Der Sohn des Bärenjägers außerdem im Rahmen des Editorischen Berichts eine Gesamtdarstellung zur Beziehung Karl Mays zum Verlag von Wilhelm Spemann bzw. zur Union Deutsche Verlagsgesellschaft, in die der Spemann-Verlag 1890 eingegliedert wurde.
     Ein Band der Abteilung III, Das Vermächtnis des Inka, wurde bisher nur in der bei Haffmans erschienenen Fassung vorgelegt; für ihn planen wir in absehbarer Zeit eine Neuauflage im aktuellen Format und Erscheinungsbild der HKA.
     In den letzten „KMG-Nachrichten“ (Nr. 161) findet sich ein Aufruf Jürgen Wehnerts an alle KMG-Mitglieder, nach den bisher verschollenen Bänden der ›Deutschen Gewerbeschau‹ zu forschen, um einige bisher noch nicht vollständig in der Fassung ihrer Erstveröffentlichung vorliegende May-Erzählungen komplettieren zu können. Solche Initiativen sind uns natürlich hochwillkommen, und der von Jürgen Wehnert aufgezeigte Weg scheint nicht ohne Aussicht auf Erfolg zu sein. Helfen Sie also bei der Ermittlung der fehlenden Jahrgänge mit, wenn Ihnen dies möglich ist!
Die Mitarbeiter der HKA treten, soweit sie anwesend sind, anlässlich von KMG-Treffen immer auch zu einer Arbeitssitzung zusammen, um anstehende Projekte und Probleme zu besprechen. So war es auch beim KMG-Kongress in Marburg. Neben einem Überblick über den Stand der Arbeit an den laufenden Projekten rückte dort die Planung für die Vervollständigung des Orientzyklus in den Mittelpunkt der Diskussion.
Bisher sind bekanntlich die ersten fünf Bände im Rahmen der HKA erschienen, der sechste Band steht noch aus, und für diesen sechsten Band hatten die beiden Erstherausgeber auch den Editorischen Bericht eingeplant. Nach meinem Aufruf in den letzten KMG-Nachrichten haben sich mittlerweile genügend Mitarbeiter gefunden, die die Variantenapparate erstellen wollen, und Florian Schleburg arbeitet bereits an den übrigen Teilen des Editorischen Berichts. Ein ganz praktisches Problem stellt nun allerdings die Tatsache dar, dass die Bände 1–5 mittlerweile vergriffen sind. Können wir es uns leisten, den sechsten Band herauszubringen, ohne die ersten fünf nachzudrucken? Würde ein Nachdruck der fünf Bände andererseits auf genügend Kaufinteressenten stoßen und so für die Karl-May-Stiftung kalkulierbar sein?
     Mit Bernhard Schmid vom Karl-May-Verlag und René Wagner von der Karl-May-Stiftung haben wir in Marburg insbesondere diese Fragen diskutiert, und es hat sich eine mögliche Vorgehensweise herauskristallisiert, die ich hiermit vorstellen möchte: Insbesondere Verlag und Stiftung sprechen sich dafür aus, die Bände 1–5 nachzudrucken. Allerdings nicht unverändert, sondern unter Hinzufügung der jeweils zu einem Band gehörigen Teile des Editorischen Berichts, also insbesondere der Bibliographie und des Variantenapparats zu jedem Band. Der Schut würde dann zusätzlich auch die Entstehungsgeschichte des Orientzyklus enthalten.
     Die Alternativen lauten also jetzt: Sollen wir lediglich den Schut neu herausbringen, der dann allerdings wegen des umfangreichen Editorischen Berichts in zwei Teilbänden erscheinen würde? Das wäre für alle, die bereits seit langem die ersten fünf Bände besitzen die wünschenswerteste, weil preiswerteste Lösung, ließe aber solche Abonnenten der Reihe, die noch nicht so lange dabei sind und deshalb die frühen Bände nicht besitzen, in die Röhre schauen.
Oder bringen wir den gesamten Orientzyklus neu heraus und statten jeden der Bände mit den oben genannten Teilen des Editorischen Berichts aus? Dann reichte für Der Schut ein einziger Band. Abonnenten, die die bisherigen Bände nicht besitzen, könnten den Zyklus dann komplett erwerben, und Erstabonnenten müssten, wenn sie in den Besitz auch der Zweitauflage kommen wollen, unter dem Strich in vier zusätzliche Bände (statt in zwei Bände Der Schut) investieren.
     Weil sich in Marburg durch den Ausfall eines Vortrags die Gelegenheit dazu bot, haben wir diese Überlegungen dort bereits den anwesenden Mitgliedern vorgestellt und mit ihnen diskutiert. Es wurden – verständliche – Bedenken geäußert, doch fand die von uns ins Auge gefasste Vorgehensweise doch überwiegend Zustimmung oder zumindest Verständnis. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass das Erscheinen der Bände 1–5 des Orientzyklus in der HKA doch auch bereits über 20 Jahre zurückliege. Das relativiere die finanzielle Zumutung, die in diesen Plänen für die Altabonnenten liege.
     Beim letzten Mal hatte ich alle, die im Besitz alter Fehsenfeld-Ausgaben sind und bereit wären, uns diese für die Erstellung der Variantenapparate für die HKA vorübergehend zur Verfügung zu stellen, aufgerufen, sich bei mir zu melden. Mittlerweile liegen die ersten Meldungen vor, und ich bedanke mich herzlich bei diesen Mitgliedern. Wir suchen aber weiterhin eine ganze Reihe von Fehsenfeld-Auflagen, und ich möchte meinen Aufruf erneuern. Als praktisch hat es sich erwiesen, wenn Sie mir bei Ihrer Meldung gleich mitteilen können, welche Bände und Auflagen Sie zur Verfügung stellen könnten.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritische Ausgabe (6/September 2009)

Während ich diese Zeilen schreibe (Juli 2009), wird der als nächstes geplante HKA-Band Der Sohn des Bärenjägers gerade gesetzt, sodass wir wohl mit einiger Sicherheit davon ausgehen dürfen, dass er im Herbst dieses Jahres (hoffentlich rechtzeitig zum KMG-Kongress in Marburg) herauskommen kann. Als darauf folgender Band ist dann der von Ulf Debelius betreute Band I.3 Die Fastnachtsnarren zur Veröffentlichung vorgesehen.
     Eine Reihe weiterer Bände sind in Arbeit, doch ist der Arbeitsstand der einzelnen Bearbeiter sehr unterschiedlich; es lässt sich noch nicht sicher sagen, welcher der dann nächste Band sein wird. Aber ich möchte, einer Anregung von Jürgen Wehnert folgend, doch eine Übersicht derjenigen Bände geben, die zur Zeit aktiv vorbereitet werden:

Außerdem arbeiten wir, wie bereits berichtet, an der Ergänzung bzw. Neuausgabe von Winnetou I–III (IV.12–14) und der sechs Bände des Orienztyklus (HKA IV.1–6). Dies sind zugleich die ersten neun Bände, die seinerzeit im Fehsenfeld-Verlag im Rahmen von Karl Mays gesammelten Reiseromanen herauskamen und somit sehr viele Auflagen zu dessen Lebzeiten erlebten. Für die Erfassung aller Textvarianten benötigen die Mitarbeiter, die diese Bände vorbereiten, Einsicht in jede dieser Auflagen. Auch wenn wir bereits eine ganze Reihe dieser Ausgaben zur Verfügung haben, so fehlt uns doch noch eine beträchtliche Anzahl. So möchte ich hiermit all diejenigen, die solche Auflagen der grünen bzw. blauen Fehsenfeld-Bände besitzen, herzlich bitten, sie uns für die HKA-Arbeit zeitweilig zur Verfügung zu stellen. Bitte setzen Sie sich deswegen mit mir in Verbindung.
     Wie bekannt, sind die Bände 1–5 des Orientzyklus bereits in der HKA erschienen. Die Textvarianten allerdings wurden bisher nur zum geringen Teil erfasst. Deshalb haben sich bereits einige Mitarbeiter gefunden, die die nunmehr notwendigen Vergleichslesungen durchführen; aber wir benötigen dafür weitere Helfer. Wenn Sie sich dazu in der Lage sehen (notwendig sind das für diese akribische Arbeit notwendige Interesse an der Sache sowie, wenn eben möglich, ein Computer), bitte ich herzlich darum, sich bei mir zu melden.
     Für all diese Meldungen, aber auch für sonstige Anregungen, Hinweise, Ergänzungen und Errata-Meldungen zur HKA bin ich, wie immer, dankbar. Sie können mich gern brieflich oder elektronisch kontaktieren:

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (5/Juni 2009)

Mit Band III.6 der HKA Der Oelprinz hat die Karl-May-Gesellschaft vor kurzem den zweiten von ihr betreuten HKA-Band herausgebracht. Dem Herausgeber Ruprecht Gammler und dem Bandbearbeiter Dr. Florian Schleburg möchte ich auch an dieser Stelle für ihre Arbeit danken. Der umfangreiche editorische Bericht des Bandes zeichnet die Entstehungsgeschichte und die vielfältigen, wenn auch oft marginalen textlichen Veränderungen nach, die die Erzählung in den verschiedenen Ausgaben zu Mays Lebzeiten erfahren hat.
     Zugleich mit diesem Band ist eine zweite Auflage des ersten Waldröschen-Bandes (HKA II.3) produziert worden, so daß dieser Roman nunmehr wieder vollständig zu erwerben ist, war doch der erste Band seit einiger Zeit vergriffen.
     Auch die weiteren für 2009 geplanten Bände machen Fortschritte und werden wohl wie geplant noch in diesem Jahr editorisch fertiggestellt werden. Allerdings fällt es uns nicht leicht, das genaue Erscheinungsdatum eines Bandes auf längere Sicht immer ganz exakt vorherzusagen, zu viele Unwägbarkeiten sind denkbar, die – wie dies ja auch beim Oelprinz der Fall war – zu kürzeren oder längeren Verzögerungen führen können. So ist es immer einmal möglich, daß die editorische Arbeit ins Stocken kommt, weil der Bearbeiter Schwierigkeiten hat, Exemplare aller relevanten und für seine Arbeit benötigten Originalausgaben rechtzeitig und vollständig einzusehen. Hier sind wir immer wieder auch auf die Besitzer von Originalbänden angewiesen. Wer immer uns hier mit seltenen Ausgaben weiterhelfen kann, ist herzlich gebeten, sich mit dem entsprechenden Bandbearbeiter oder mit mir in Verbindung zu setzen. Auch anderes kann den planmäßigen Fortgang der Edition gelegentlich aufhalten, seien es plötzliche berufliche Belastungen eines (ja ehrenamtlich arbeitenden) Mitarbeiters, seien es Verzögerungen in Produktion oder Auslieferung des Bandes. Auch die Zahl der Abonnements der HKA verzögert oder beschleunigt den Prozeß der Herausgabe: Die HKA muß sich ja für die Karl-May-Stiftung rentieren, und je eher die Ausgabe Überschüsse abwirft, desto rascher kann ein neuer Band auch finanziert werden. So wünschen wir uns durchaus noch eine Steigerung der aktuellen Abonnentenzahlen.
     Der als nächstes geplante Band III.1 Der Sohn des Bärenjägers weist eine Besonderheit auf, der wir im Druckbild auch Rechnung tragen wollen: Für die Buchausgabe ist die Erzählung, wie wir dem Briefwechsel zwischen Karl May und dem Verlag Wilhelm Spemann entnehmen können, sowohl von May als auch von der Verlagsredaktion einer teilweisen Überarbeitung unterzogen worden. Beide Überarbeitungen sind nicht eindeutig voneinander zu scheiden – mit einer Ausnahme: Da der Illustrator Weigand einige Abbildungen so falsch ausgeführt hatte, daß sie mit dem ursprünglichen Text der Erzählung nicht mehr in Einklang standen und dies erst sehr spät im Herausgabeprozeß des Bandes bemerkt wurde, hat Wilhelm Spemanns Bruder Adolf die entsprechenden Textstellen, wie er May in einem erhaltenen Brief schrieb, entsprechend „eingerichtet“. Diese Bearbeitungen stammen also eindeutig von fremder Hand, und das möchten wir im editorischen Bericht dokumentieren, indem wir die diesbezüglichen Stellen im Variantenapparat in einer anderen Schrift auszeichnen.
     Da mit Der Sohn des Bärenjägers die Abteilung III der HKA abgeschlossen wird, wollen wir darin auch die bisher bei Hermann Wiedenroth oder bei mir eingegangen Errata-Meldungen für diese Abteilung dokumentieren. Es bleibt bei der vielschichtigen und komplexen editorischen Arbeit an Mays Werken trotz aller Sorgfalt leider nicht aus, daß sich einige Fehler einschleichen. Umso dankbarer sind wir allen, die uns auf solche Fehler hinweisen.
     Als Band 1 der Abteilung III – Erzählungen für die Jugend – wird Der Sohn des Bärenjägers zudem im editorischen Bericht auch eine ausführliche Darstellung der Zusammenarbeit Karl Mays mit dem Verlag Wilhelm Spemann bzw. seinem Nachfolgeverlag Union Deutsche Verlagsgesellschaft enthalten.
     Als nächster Band der HKA ist sodann aus der Abteilung I der Band 3 geplant, Die Fastnachtsnarren. Bandbearbeiter Ulf Debelius präsentiert in diesem Band die frühen Humoresken Karl Mays, insbesondere diejenigen, in deren Zentrum der alte Dessauer steht. Bei der Edition dieser Erzählungen ergibt sich, wie bekannt ist, eines der oben angesprochenen Probleme, vor dem die KMG bereits stand, als sie vor Jahren die Dessauer-Erzählungen reprintete: Einige Seiten der Originalzeitschriftendrucke sind verschollen; die Reprints griffen seinerzeit ersatzweise auf die frühen Nachdrucke des Karl-May-Verlags zurück. Auch wenn Herr Debelius bei seiner Textsuche einige Erfolge hat verbuchen können, ist es uns (bisher) nicht gelungen, alle verschollenen Seiten aufzuspüren. Wir könnten also die Herausgabe des Bandes verschieben, doch ist es höchst ungewiß, wann und ob diese Seiten jemals wieder auftauchen werden. Deshalb haben wir uns entschieden, es den seinerzeitigen Reprints gleichzutun und dort, wo uns (in letztlich relativ geringfügigem Umfang) der Erstdruck nicht zur Verfügung steht, auf die frühesten bekannten Nachdrucke zurückzugreifen. Falls jemand von Ihnen, liebe Interessenten, solche bisher verschollenen Zeitschriftendrucke besitzen sollte, wären wir natürlich sehr dankbar, wenn Sie sie uns noch zur Verfügung stellten. Ansonsten werden wir die Originaltexte, sollten sie irgendwann nach Publikation des Bandes doch noch auftauchen, in einem der sicher so oder so fällig werdenden Ergänzungsbände der HKA nachdrucken.
     Wenn ich, wie Herr Wehnert moniert, in meinem letzten Bericht seinen Vorschlag, den „Präriebrand“-Text, dessen Abfassung durch May ich verneine, andere aber für nicht unmöglich halten, nachzuliefern, mit einer zu ausweichenden Antwort bedacht habe, so sei ausdrücklich vermerkt, daß auch dieser Text in einem der soeben erwähnten möglichen Ergänzungsbände Platz finden kann und soll – wann immer ein solcher Band letztlich auch erscheinen kann.
     Herr Wehnert modifiziert zudem seinen Vorschlag, die Editorischen Berichte vorab zu veröffentlichen, dahingehend, daß wir sie bzw. die Entwürfe dazu interessierten sachkundigen Mitgliedern vorab zu Kenntnis geben mögen. Damit nun rennt er offene Türen ein, denn das ist etwas, was alle Bandbearbeiter und Herausgeber bereits praktizieren. Die Editorischen Berichte entstehen natürlich nicht im stillen Kämmerlein, sondern werden in Einzelpunkten oder auch in ihrer Gesamtheit von uns mit sachkundigen interessierten Mitgliedern diskutiert; genau darauf zielt mein nunmehr schon mehrfach an dieser Stelle in variierter Form publizierter Aufruf zur Mitarbeit. Wer immer sich als sachkundig und mitarbeitsbereit meldet, wird von uns auch in die Diskussion der anstehenden editorischen Probleme einbezogen und bekommt, so er denn will, selbstverständlich auch die Editorischen Berichte in ihrer jeweiligen provisorischen Form zur Lektüre. Denn in der Tat sind wir an konstruktiven Hinweisen sehr interessiert. Wie könnte es auch anders sein.
     Die Arbeit an weiteren Bänden der HKA ist in Angriff genommen. Mittlerweile haben wir auch erste Schritte getan, den schon lange ausstehenden Band IV.6 Der Schut mit dem editorischen Bericht für den gesamten Orientzyklus herauszubringen. Es wird aber wohl noch geraume Zeit dauern, bis diese Arbeit, die federführend Dr. Florian Schleburg übernommen hat, abgeschlossen sein kann. Vom Umfang des editorischen Berichts mit den Variantenapparaten für nicht weniger als sechs Bände wird es dann abhängen, ob Der Schut nicht unter Umständen dann in zwei Teilbänden wird erscheinen müssen. Auf jeden Fall aber sollen die bereits erschienen Bände IV.1–5 zusammen mit diesem editorischen Bericht nutzbar sein.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (4/März 2009)

Wenn Sie diese Zeilen lesen, liebe HKA-Interessierten, ist der nächste Band der HKA, der Band III.6 Der Oelprinz bereits im Druck, wird vielleicht sogar schon an die Abonnenten ausgeliefert. Wir hoffen, dass er wohlwollend aufgenommen wird und dass die sorgfältige Arbeit von Bearbeiter und Herausgeber, Florian Schleburg und Ruprecht Gammler, auf Anerkennung stößt. Zugleich hoffen wir natürlich auf Ihr Interesse an dieser und den weiteren Bänden der HKA, denn nur eine berechenbare und möglichst zahlreiche Nachfrage nach deren Bänden sichert das Projekt langfristig.
Auch die Arbeit an dem Band, den wir als nächstfolgenden herausbringen werden, schreitet fort. Der Sohn des Bärenjägers wird, so hoffen wir zuversichtlich, noch im laufenden Jahr fertig werden und ausgeliefert werden können. Bearbeiter und Herausgeber des Bandes folgen bei dieser Ausgabe dem bereits von Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger festgelegten Prinzip, bei Mays bei Wilhelm Spemann bzw. im Union-Verlag veröffentlichten Jugenderzählungen die Zeitschriftenfassung zugrundezulegen. Dies ist bei den meisten Bänden unproblematisch, da eine umfangreichere Mitarbeit Mays an der späteren Buchausgabe fast immer ausgeschlossen werden kann. Beim Sohn des Bärenjägers, dem ersten Band der roten Union-Reihe, ist dies allerdings anders. May war in deren Herausgabe und auch an der Textrevision beteiligt. Trotzdem halten wir auch hier an dem genannten Prinzip fest, wenn dies auch im Falle dieses Bandes durchaus diskutabel ist. Allerdings steht aufgrund des teilweise erhaltenen Briefwechsels Mays mit dem Verlag fest, dass auf jeden Fall auch der dortige Redakteur in den Textbestand der Buchausgabe eingegriffen hat. Mays Anteil an den textlichen Veränderungen hingegen kann leider nicht mehr eingegrenzt werden. Der editorische Apparat kann jedoch jedem Interessierten helfen, den – möglichen – May’schen Anteilen an den Veränderungen nachzuspüren. Diese mögen sich zum Beispiel darin zeigen, dass die sächsischen Sprachproben den Hobble-Frank in nicht unerheblichem Umfang für die Buchausgabe revidiert und gewissermaßen „sächsischer“ gemacht wurden. Andererseits sind neben den bekannten Eingriffen Spemanns, die der Anpassung des Textes an einige fehlerhaft ausgeführte Abbildungen dienten, auch weitere Spuren fremder Hand erkennbar, etwa bei der neuen Kapiteleinteilung und der Anpassung einzelner Kapitelanfänge daran oder auch bei durchweg fehlerhaften Schreibung des Namens des „Hobbel-Frank.“ Diese Hinweise sollen nur einen kleinen Einblick in die editorische Arbeit am Bärenjäger-Band geben.
     Damit bin ich auch thematisch bei einem Vorschlag angelangt, der im letzten Bericht gemacht wurde; wir möchten doch die Editorischen Berichte der HKA vorab in den „KMG-Nachrichten“ zur Diskussion stellen. Das halte ich, so muss ich gestehen, für schlechterdings nicht machbar. Obige Ausführungen können vielleicht ein Gefühl dafür vermitteln, dass das allermeiste editorische Feinarbeit ist, und die Arbeit am Editorischen Bericht zieht sich in aller Regel bis unmittelbar vor der Drucklegung hin. Eine sich möglicherweise länger fortsetzende Diskussion einer als wie provisorisch auch immer deklarierten Fassung des Berichts (in unseren quartalsweise erscheinenden Organen!) würde die Veröffentlichung eines Bandes ganz erheblich verzögern.
     Zudem ist es mehr als fraglich, ob eine solche Diskussion der einen oder anderen Streitfrage zu eindeutigen Ergebnissen führen wird. Die verantwortlichen Bearbeiter und Herausgeber werden schließlich doch immer eine, möglicherweise kontroverse, Entscheidung fällen müssen, denn sie stehen mit ihrem Namen für das dann publizierte Ergebnis ein. Ich halte den Weg, den ich mit diesen Berichten aus der editorischen „Werkstatt“ begonnen habe, hier für zielführender. Denjenigen, die sich daraufhin bereits mit diversen Fragen, Anregungen und kritischen Anmerkungen an mich gewandt haben, danke ich herzlich; Sie alle bitte ich weiterhin um konstruktive Hinweise, die die Verantwortlichen, das möchte ich ihnen versprechen, durchaus ernsthaft erwägen werden.
     Mehrfach ist nach dem Erscheinen des Schwarzen Mustang die irreführende Kritik geäußert worden, der Band verzeichne nicht alle Reprints der darin versammelten Erzählungen und Texte. Das ist nun allerdings auch nicht Ziel und Aufgabe der HKA. Wir versuchen selbstverständlich, alle Drucke eines Textes zu Mays Lebzeiten zu erfassen. Der Hinweis auf Reprints beschränkt sich in der Regel allerdings auf jeweils einen oder zwei, die als repräsentativ gelten können. Bei den nicht verzeichneten Reprints einer Reihe von Kurzerzählungen des Mustang-Bandes handelt es sich, wenn ich recht sehe, ausschließlich um solche, die beim Nachdruck der Haupterzählung eines „Kamerad“-Jahrgangs quasi nebenbei mit aufgenommen wurden, weil sie in demselben Jahrgang erschienen, jedoch von den Reprint-Herausgebern weder in Titelei und Inhaltsverzeichnis noch in den begleitenden Erläuterungstexten erwähnt wurden, bibliographisch also praktisch nicht greifbar sind.
     Erfreut waren wir über die doch meist positiven Reaktionen auf eine vor Erscheinen des Mustang durchaus kontrovers diskutiere Entscheidung, nämlich die Beifügung einer Zeilenzählung. Wir haben versucht, damit dem wissenschaftlich Arbeitenden ein nützliches Arbeitsmittel an die Hand zu geben, ohne andererseits das ästhetische Empfinden des Lesers zu sehr zu beeinträchtigen. Wenn uns dies gelungen ist, so sind wir zufrieden. Es zeigt sich hier an einer marginalen Stelle, wie eine sinnvolle Teilhabe aller Interessierten an der Entstehung der HKA-Bände im oben skizzierten Sinn erfolgen kann. Darauf sollten wir aufbauen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (3/Dezember 2008)

Mittlerweile ist der erste in Verantwortung der Karl-May-Gesellschaft herausgegebene Band der HKA, Der schwarze Mustang, erschienen. Er hat vielfältige Reaktionen gezeitigt, die zur Freude der Herausgeber im Wesentlichen einen positiven Tenor hatten. Zugleich gab auch es eine Reihe zum Teil sehr detaillierter Kritiken, die auf Defizite oder Fehler in diesem Band verwiesen. Für beides möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken und versichern, dass wir diese Reaktionen aufmerksam zur Kenntnis und dort, wo sie uns überzeugen, auch für die Folgebände zu Herzen nehmen werden. Die Herausgabe der HKA durch die KMG ermöglicht es ja gerade auch, auf eine größere Gruppe von Experten und Kennern zurückgreifen zu können; dieses Potential möchten wir nutzen, und insbesondere aus diesem Grunde wird der Bericht zum Fortgang der HKA auch in Zukunft regelmäßig erscheinen. Ich möchte darin über die nächsten Planungen berichten und hoffe zugleich immer auch, dass sich alle, die dazu etwas beitragen können, melden und ihre Mitarbeit oder ihr Expertenwissen zur Verfügung stellen.
     Der bereits angekündigte Band Der Oelprinz ist mittlerweile weitgehend fertiggestellt, und wir hoffen sehr, ihn noch 2008 an alle Besteller ausliefern zu können. Er soll dann auch wieder die aus früheren Bänden der Reihe bekannte Subskribentenliste enthalten. Bandbearbeiter dieses Bandes ist Dr. Florian Schleburg, Herausgeber Ruprecht Gammler. Die Tatsache, dass nunmehr von Band zu Band verschiedene Bearbeiter und Herausgeber in Erscheinung treten, wird es mit sich bringen, dass insbesondere die Editorischen Berichte mehr als früher einen zum Teil individuelleren Charakter erhalten.
     Auch die Planungen für die 2009 zur Veröffentlichung vorgesehenen Bände laufen bereits. Wir werden aller Voraussicht nach mit dem Sohn des Bärenjägers die Abteilung III – Erzählungen für die Jugend – abschließen können. Auch für diesen Band haben wir, wie in der gesamten Abteilung III, den Zeitschriftentext als Grundlage gewählt. Doch fiel uns diese Entscheidung für diesen Band nicht leicht, hat doch Karl May auch an der Buchausgabe mitgewirkt. Da allerdings auch das von ihm unbeeinflusste Mitwirken der Verlagsredaktion daran bezeugt ist, ohne dass wir es sicher abgrenzen können, wäre es problematisch gewesen, den Text der Buchausgabe als HKA-Grundlage zu wählen. Das bedeutet u. a. auch, dass der zweite Teil des Bandes den Erst-Titel Der Geist der Llano estakata tragen wird. Zu dieser Titelfrage werde ich den „Mitteilungen der KMG“ im März 2009 noch einen eigenen Aufsatz veröffentlichen.
     Weiterhin sind für das kommende Jahr noch die Bände I.3 („Die Fastnachtsnarren“), I.8 („Aus der Mappe eines Vielgereisten“) und I.9 („Der Waldläufer“) in Arbeit. Ob sie alle noch 2009 fertiggestellt werden können, steht allerdings noch nicht fest.
     Schließlich bereiten wir auch die Ausgabe der Winnetou-Trilogie vor. Deren erste beiden Bände sind ja bereits im Rahmen der HKA im Haffmans-Verlag erschienen, und der dritte Band wird von vielen sehnlichst erwartet. Da die Haffmans-Bände einen gegenüber den anderen HKA-Bänden abweichenden Seitenspiegel (und auch eine abweichende Aufmachung) aufweisen, ist hier ein Neusatz auch der ersten beiden Bände notwendig. Dies wollen wir nicht nur zu einer erneuten Durchsicht des Textes nutzen, sondern auch dazu, über eine andere Aufteilung des Editorischen Berichts nachzudenken. Dieser wird, falls er für alle drei Bände zusammengefasst wird, den Band III umfangmäßig nahezu sprengen. Unsere Überlegungen gegen derzeit dahin, jedem der drei Bände einen Teil des Berichts beizugeben: Jeder Band soll seinen jeweiligen Variantenapparat und die Werkgeschichte enthalten, der erste Band zudem, da sein Variantenapparat voraussichtlich wesentlich knapper ausfallen wird, zusätzlich die Entstehungsgeschichte der gesamten Trilogie.
     Dies sind, wie gesagt, Planungen. Eine endgültige Entscheidung werden wir erst fällen, wenn der Gesamtumfang der Bände und des Editorischen Berichts feststehen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (2/Juni 2008)

Nachdem ich im letzten Bericht einen Überblick über die ersten Planungen nach Übernahme der Herausgabe der HKA durch KMG gegeben habe, möchte ich einige gravierendere Veränderungen näher erläutern.
     Der Editionsplan sieht nunmehr zwei Bände vor, die in den bisherigen Planungen nicht vorgesehen waren: „Die Rose von Kaïrwan“ (IV.28) und „Erzgebirgische Dorfgeschichten“ (V.9). Dabei ließen wir uns von dem Gedanken leiten, dass neben den Bänden der „Gesammelten Reiseerzählungen“ auch diese beiden Bände explizit von Karl May in ihrer Zusammensetzung konzipiert wurden, wenn auch sicherlich aus eher äußerlichen Anlässen. Gegen diese von May selbst stammende Konzeption wollten wir keine anderslautende Entscheidung treffen.
     Die in der „Rose von Kaïrwan“ vereinigten Erzählungen hat May durchaus kunstvoll miteinander verbunden; die Erhaltung dieser Zusammenstellung ist kaum weniger begründet als etwa diejenige von „Am Stillen Ocean“ oder „Auf fremden Pfaden“. Wegen der Kürze der drei hier vereinigten Erzählungen wird der HKA-Band allerdings noch um einige weitere Texte Mays aus der Zeit der exotischen Abenteuererzählungen erweitert.
     Auch die „Erzgebirgischen Dorfgeschichten“ sind von May absichtsvoll zusammengestellt und mit einem eigens für diesen Band entworfenen Vorwort versehen worden. Dieser Tatbestand ließ uns letztlich – obwohl nicht unumstritten – mögliche Einwände gegen die Aufnahme dieses Bandes in die HKA zurückstellen: Immerhin vereint er eine Reihe früher Erzählungen, die eigentlich eher der Abteilung I (Frühwerk) zugehörig sind, mit zwei Spätwerk-Erzählungen. In gewisser Weise durchbricht also dieser Band die vom Früh- zum Spätwerk fortschreitende Konzeption der HKA. Doch auch hier gilt: Diese Verknüpfung von Früh- und Spätwerk ist von May gewollt, und wir haben dies zu respektieren.
     Eine andere von der bisherigen Praxis in der HKA abweichende Entscheidung sei ebenfalls noch etwas näher begründet. Als Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger die Reihe planten, sahen sie – wohl vor allem aus ästhetischen Gründen – davon ab, eine Zeilenzählung einzuführen. Das ist für einen Benutzer, dem es vor allem um das authentische Leseerlebnis geht, durchaus von Vorteil. Doch will man sich auch philologisch mit dem Text und seiner Geschichte beschäftigen – und dies zu ermöglichen ist ja zumindest auch einer der Zwecke der HKA –, so ist es wichtig, möglichst schnell und problemlos bestimmte Textstellen finden und mit den Varianten im kritischen Apparat vergleichen zu können. Dabei ist eine Zeilenzählung zwar nicht unabdingbar, jedoch äußerst hilfreich. Hermann Wiedenroth hat dem für die letzten von ihm herausgegebenen Bände Rechnung getragen, indem er ein Zeilenlineal beilegte. Hans Wollschläger hat sich bei der separaten Herausgabe der Manuskript-Fassung von „Ardistan und Dschinnistan“ umentschieden und eine Randzählung eingeführt. Die beiden von ihm herausgegebenen Bände haben in dieser Hinsicht auch die neuen Herausgeber der HKA überzeugt: Wir folgen der von ihm begründeten Praxis und bringen vom nächsten Band – „Der schwarze Mustang“ – an ebenfalls eine dezente und unauffällig gestaltete Zeilenzählung. Wir sind der Auffassung, dass sie den reinen Leser nicht stört, dem Philologen aber von Nutzen sein wird. Selbstverständlich ist diese Entscheidung diskussionswürdig, doch glauben wir mit Bestimmtheit, dass sie für jedermann auch akzeptabel ist. Das Wichtigste aber ist und bleibt der verlässliche, authentische May-Text, den die HKA bieten möchte. Den allen Interessierten innerhalb und außerhalb der KMG zu bieten, werden wir uns nach Kräften bemühen.

Joachim Biermann


Zum Fortgang der Historisch-kritischen Ausgabe (1/März 2008)

Mit dem am 29. Mai 2007 abgeschlossenen Vertragswerk haben die Karl-May-Gesellschaft, der Karl-May-Verlag und die Karl-May-Stiftung die Herausgabe der von Hans Wollschläger und Hermann Wiedenroth begonnenen HKA übernommen. Die KMG übernimmt dabei die editorische Arbeit. Deren Vollendung kann nur gelingen, wenn möglichst viele KMG-Mitglieder sich auf die eine oder andere Art für die HKA-Edition engagieren. Es erscheint daher auch sinnvoll, die Mitgliederschaft der KMG regelmäßig über den Fortgang der Editionsarbeit zu informieren. Die gleichen Informationen sind auch über die Homepage der Karl-May-Stiftung zugänglich, in deren Auftrag die HKA erscheint.
     Der Vorstand der KMG hat mich beauftragt, die Arbeit an der HKA als Geschäftsführender Herausgeber zu betreuen. Zugleich hat sich eine kleine Arbeitsgruppe von Mitarbeitern gefunden, die diese Arbeit tatkräftig und kompetent begleiten. Es war zunächst einmal notwendig, die Konzeption der Reihe noch einmal zu durchdenken und einige Veränderungen vorzusehen. Außerdem mußten erste konkrete Projekte in Angriff genommen werden, damit möglichst bald weitere Bände erscheinen können.
     Zu den Beratungen über diese Punkte hat sich die Arbeitsgruppe bisher sowohl am Rande von Vorstandssitzungen der KMG als auch zu zwei Wochenendtagungen getroffen. Ein Ergebnis ist der nunmehr revidierte Editionsplan, der im Anschluß an diesen Bericht zum Abdruck kommt.
     Des weiteren kann ich jetzt bereits darüber informieren, daß als erstes die beiden Bände „Der schwarze Mustang und andere Erzählungen und Texte für die Jugend“ (KMW III.7) und „Der Oelprinz“ (KMW III.6) noch 2008 herauskommen sollen. Herausgeber beider Bände ist Ruprecht Gammler, für die Bearbeitung des „Mustang“ zeichnet Joachim Biermann, für die Bearbeitung des „Oelprinz“ Florian Schleburg verantwortlich.
Gerade Band III.7 wird, dies kann ich hier bereits mitteilen, einige höchst interessante neue Forschungsergebnisse beinhalten, die sich bei der Durchsicht der frühen Bände der Zeitschrift „Der Gute Kamerad“ ergeben haben. In deren Leserbriefspalten fanden sich eine ganze Reihe von Antworten, die mit hoher Sicherheit Karl May selbst zuzuschreiben sind – in einem Fall sogar im Faksimile von Mays Handschrift.

Joachim Biermann



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